Hilfe im Himalaya Zahnärztlicher Einsatz in Nepal

#1 von carlos , 03.07.2013 23:05

Beim Gedanken an Nepal haben die meisten Menschen, wenn überhaupt, den Mount Everest als höchsten Berg der Welt vor Augen. Tatsächlich ist der südasiatische Binnenstaat neben Tibet das höchstgelegene Land der Erde und aufgrund seiner Lage im Himalaya-Gebirge ein beliebtes Ziel von Trekkingtouristen und Bergsteigern. Deren Blick fällt nur selten auf die Niederungen von Land und Gesellschaft und damit auf Aspekte, die den Reiz des Exotischen und Abenteuerlichen nur allzu leicht trüben könnten. So etwa die Defizite im Gesundheitswesen. Für die ca. 26,5 Millionen Einwohner gibt es gerade einmal 923 Ärzte, 5.500 Krankenschwestern und etwa 13.000 Gesundheitsarbeiter. Erwartungsgemäß sind die meisten Menschen Nepals auch in zahnmedizinischer Sicht unterversorgt, und Praxen, die annähernd modernem Standard entsprechen, gibt es allenfalls in den wenigen größeren Städten, hierbei vor allem in der Hauptstadt Kathmandu. Bewohner der abgeschiedenen, ländlichen Gebiete des Landes sehen so gut wie nie einen Zahnarzt. Es sei denn, freiwillige Helfer aus dem Ausland machen sich auf die beschwerliche Reise zu ihnen.

Wichtig: Kooperationspartner und Sponsoren

Dr. Hanna Monien (Frankfurt/Main) und Dr. Anne Schnell (Köln) verbrachten einen zweimonatigen von „Dental Volunteers e.V.“ organisierten Aufenthalt in Nepal, um vor allem Kinder und Jugendliche in den Bergdörfern mit der richtigen Zahnpflege vertraut zu machen und zahnmedizinisch zu versorgen. Unterstützt wurden sie dabei von den Vereinen „Nepalhilfe“, „Nepalhilfe im kleinen Rahmen“ und „Kinderhilfe Nepal e.V.“ sowie einheimischen Partnern und Helfern. Ungeachtet der körperlichen Strapazen, beschwerlicher Anfahrten, langen Arbeitszeiten von mitunter über zwölf Stunden und Tücken der Technik wie zum Beispiel Stromausfälle sorgten die beiden deutschen Zahnärztinnen dafür, dass innerhalb von sechs Wochen zahlreiche junge Nepalis in eigens eingerichteten Dental Health Camps untersucht und behandelt wurden. Dabei konnten sie auf Dentalmaterialien verschiedener Sponsoren zurückgreifen. So stiftete VOCO etwa seine bewährten Füllungsmaterialien VOCO Ionofil Molar und Grandio sowie Adhäsive und Präparate zur Fluoridierung und Desensibilisierung.

Arbeit in Dental Health Camps

Nach ihrer Ankunft in Kathmandu nutzten Monien und Schnell die ersten drei Tage ihres Aufenthaltes, um von ihren privat gesammelten Spendengeldern 650 Zahnbürsten und Zahnpastatuben zu kaufen und an Schüler vor Ort zu verteilen. Zudem galt es, die Vorbereitungen für die Durchführung der Dental Health Camps in verschiedenen Regionen des Landes zu treffen. Das erste Dental Health Camp errichteten die beiden Zahnärztinnen in der Secondary School des Dorfes Bimkhori, welches sie nach fünfstündiger Busfahrt und dreistündiger Bergwanderung erreichten. Dort informierten sie die Schüler aller zwölf Klassen zunächst einmal über richtige Ernährung, Mundhygiene und Zahnputztechniken. Es folgten Zahn-Check-Ups aller Schüler und die Vereinbarung von Behandlungsterminen für die nächsten Tage. Es zeigte sich, dass neben den Schülern auch viele Erwachsene aus der Gegend die Gelegenheit zur zahnmedizinischen Behandlung nutzten, was angesichts fehlender Assistenzkräfte zusätzlich Zeit kostete. Hinzu kamen weitere Erschwernisse: „Der Strom war teils über einen längeren Zeitraum nicht verfügbar und anstelle dentaler Behandlungseinheiten dienten uns zusammengestellte Schultische als Patientenliegen. Für ausreichend gute Lichtverhältnisse sorgten wir mit unseren Trekkingstirnlampen. Als Speibecken mussten Pappkartons herhalten. Trotz der relativ schlechten Voraussetzungen versuchten wir stets hygienisch zu arbeiten und glücklicherweise hatten wir ausreichend Handschuhe, Desinfektionsmittel, Einmalkanülen und weiteres Material aus Deutschland mitgebracht.“ Nach Beendigung des ersten Dental Health Camps wanderten Monien und Schnell zur etwa zwei Stunden entfernt liegenden Primary School und errichteten dort die zweite Behandlungsstation. Und obwohl dort bereits am Abend des ersten Tages ein Blitzschlag zu einem Stromausfall führte, konnten die beiden Zahnärztinnen in den nächsten Tagen Hunderte kleine Patienten behandeln. Nach diesem Einsatz ging es dann auf dem Fahrzeugdach eines überfüllten Busses zurück nach Kathmandu, wo die beiden Zahnärztinnen die weiteren Dental Health Camps vorbereiteten. Diese fanden in den örtlichen Schulen von Chaturale und Sunkhani statt, welche auf unwegsamen Pfaden mit dem Geländewagen angesteuert wurden. Im Rahmen der dort vorgenommenen Behandlungen, welche täglich teils über zwölf Stunden dauerten, versorgten Monien und Schnell auch hier mehrere Hundert junge und etliche ältere Patienten. Das letzte Dental Health Camp schlugen die deutschen Zahnärztinnen dann im Waisenhaus „Mandala Childrenhome“ in Budhanilkantha unweit Kathmandu auf. Hier zeigte sich, dass die dort untergebrachten Kinder schon recht gut über richtige Ernährung und Zahnpflege wussten und der Behandlungsbedarf deutlich geringer war als an den Stationen zuvor. Vorläufig sicherlich noch eine Ausnahme in Nepal.

Die Perspektive: Hilfe zur Selbsthilfe

Das Fazit der beiden Zahnärztinnen: „Insgesamt haben wir das Gefühl, dass unser Einsatz nur ein Tropfen auf den heißen Stein war. Sowohl aus zahnärztlicher als auch aus allgemeinmedizinischer Sicht ist die dörfliche Bevölkerung stark unterversorgt und die Etablierung eines funktionierenden Gesundheitssystems wäre dringend erforderlich. Kurzfristig gesehen sind Einsätze von ausländischen Hilfskräften sicher eine Lösung, um einzelne Personen von ihren Schmerzen zu befreien. Auf lange Sicht jedoch ist es unbedingt nötig, dass sich auch nepalesische Ärzte um die Dorfbevölkerung kümmern.“ Das allerdings, so Monien und Schnell, scheitert bislang aus zwei Gründen. Zum einen wollen Ärzte, die in Kathmandu ausgebildet wurden, das relativ moderne Leben in der Hauptstadt nicht mehr missen und gegen das traditionelle und sehr einfache Dorfleben tauschen. Zum anderen lässt sich in den Dörfern kaum Geld verdienen. Außerdem ist das Medizinstudium sehr teuer und kann daher in der Regel nur von Menschen, die eh in den großen Städten leben, finanziert werden. „Eventuell wäre es sinnvoll“, so Monien und Schnell, „eine Stiftung zu gründen, welche für die Ausbildung von Dorfbewohnern aufkommt und diese Ärzte dann verpflichtet oder subventioniert, damit sie auf dem Dorf praktizieren.“ Vorläufig wird dies Zukunftsmusik bleiben und die medizinische Versorgung der Menschen in den Dörfern des Himalaya weiterhin von freiwilligen Helfern aus dem Ausland abhängen.

Fotos: Anne Schnell, Hanna Monien



Presse-Ansprechpartner:
Dr. Olaf Krems, VOCO GmbH - Public Relations
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