Mit Bohrer und Füllung unterm Himalaya

#1 von carlos , 28.07.2013 00:09

Der Zahnarzt Edgar Lauser betrieb eine "Freie Praxis" in Nepals Südosten. Bei einer Dentisten-Kreisversammlung in Mosbach hatte Lausers Kollege Emmo Martin Mitstreiter für ein Hilfsprojekt dort gesucht. Lauser sagte drei Wochen Unterstützung zu. Nach seinen Erfahrungen dort hofft er nun, auch andere Dentisten zu so einem Hilfseinsatz motivieren zu können.

Zusammen mit Emmo Martin war Lauser als Zahnarzt in der Provinz Jhapa. Das liegt in der östlichen Tiefebene an der Grenze zu Indien. Im Ort Chapati und in der Stadt Budhabare behandelten die beiden Mediziner unentgeltlich Patienten in Zusammenarbeit mit der Organisation "Women's Foundation".

Nach knapp einstündigem Inlandsflug mit Blick auf die östliche Himalayaregion gelangten die beiden Ärzte nach Bhadrapur und von dort in etwa einer Stunde auf teilweise ungeteerten Straßen bei gewöhnungsbedürftigem Linksverkehr in den Ort Chapati. Im Gebäude einer Kindertagesstätte richteten Martin und Lauser ihren Behandlungsraum ein. Beim Eintreffen der Ärzte warteten bereits einige Patienten. Eine der Hilfskräfte hatte alle in einem Buch eingetragen und Nummernzettel verteilt. Außerdem unterstützten ein Collegeschüler als Dolmetscher sowie eine weitere Hilfskraft die Dentisten. Bis 18 Uhr behandelten sie an die 30 Patienten überwiegend chirurgisch. Füllungen waren nur etwa vier Stunden täglich möglich, wenn der Strom nicht abgeschaltet war. Lauser: "Das war freie Praxis pur: Ohne Bürokratie, Gebührenordnung, Hygieneverordnung, Richtlinien und Verträge, aber auch ohne Behandlungseinheit und kompetente Assistenz. Am Tagesende durften wir selbst reinigen und sterilisieren. Und unsere LED-Taschenlampen zur Ausleuchtung der Münder begleiteten uns gegen 19 Uhr auf dem Heimweg."

Ihre Verpflegung mit Reis, Gemüse, Eiern, Joghurt sowie Wasser und Milchtee hielt sie für die nächsten Tage fit, um bei Temperaturen um 27 Grad bis zu 50 Patienten täglich zu versorgen.

Auf dem Hin- und Rückweg zur "Praxis" grüßten die Leute recht freundlich. Die meisten Patienten wünschten mehrere Zähne gezogen zu bekommen und zeigten sich sehr dankbar. Einige Zähne oder Wurzelreste steckten überaus fest im Knochen. Da waren Martins über zehnjährige Erfahrungen unter diesen Umständen von großem Vorteil. Die Füllungen waren besonders im Unterkiefer manchmal nicht ganz einfach auszuführen. Daher assistierten sich die Ärzte gelegentlich gegenseitig. Leider versagte die Polymerisationslampe immer öfter, so dass sie sich über einen Ersatz, möglichst mit Akku, sehr freuen würden.

Nach vier Tagen fuhren Lauser und Martin mit ihrer Ausrüstung in die etwa 35 Kilometer entfernte Stadt Budhabare. In den bescheidenen Räumen eines Paramediziners richteten sie dort einen Raum zur Behandlung ein.

Die nächsten drei Tage kamen jeweils bis zu 40 Patienten. In einer Nacht weckte lautes Hupen gegen zwei Uhr die Schlafenden. Ein Patient, Lehrer, wurde wegen Nachblutung mit dem Motorrad gebracht. Zum Glück erwies es sich als harmlos.

Nach zehn arbeitsreichen Tagen wurden die Ärzte statt eines Ruhetages zu einem Tagesausflug in die Berge eingeladen. Auf kurvenreichen Straßen bis auf fast 2000 Meter Höhe fuhren sie nach Pashupatinagar an der Grenze zu Indien, überquerten die Grenze zu Fuß und betraten die Provinz Darjeeling. Tags darauf marschierten sie zum letzten Mal zur "Praxis", sterilisierten und packten. Durch den Materialverbrauch wurde das Gepäck ein paar Kilo leichter.

Mit einem T-Shirt und einer Urkunde zum Dank wurden die Ärzte mit Blumenkränzen herzlich verabschiedet.

Auf dem Rückflug kam Lauser beim Zwischenstopp in Abu Dhabi nach drei Wochen ohne Informationen wie etwa Zeitung wieder in der Welt des Luxus an. "Ich fühlte deutlich, dass es nicht so sehr vom Materiellen abhängt, ein ausgeglichenes Leben zu führen. Für die eindrucksvollen Erfahrungen, die ich erleben durfte, bin ich sehr dankbar und wünsche mir, einige Kolleginnen und Kollegen begeistert zu haben, einmal zu einem Hilfseinsatz mitzukommen."

Fi Info: e.laus@t-online.de oder www.entwicklungshilfe3.de/projekte/weltw...ahnarzteinsatz/

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RE: Mit Bohrer und Füllung unterm Himalaya

#2 von carlos , 28.07.2013 00:09

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