Famulatur Ecuador

#1 von carlos , 08.12.2012 11:34

Wir hatten zwei Anlaufstellen: Eine kleine Praxis in der Hauptstadt Quito und ein Behandlungszentrum im Regenwald, dass für die Grundversorgung der im Amazonas-Stamm-Gebiet
lebenden Menschen verantwortlich ist. Beide behandeln auf kostengünstiger oder kostenloser Basis. Um beide Einrichtungen zu unterstützen, musste wir uns zu aller erst um Spendenmaterial
kümmern. Über Email, Telefon und auf dem Oberpfälzer-Zahnärzte-Tag sammelten wir Kontaktdaten und innerhalb einiger Wochen dann zwei Koffer voller Spendenmaterial. Vor
unserer Abreise gab es aber noch einiges zu tun: Impfen, Sprachtest, Planungen.

Anfang August ging dann unser Flieger nach Miami und direkt weiter nach Quito. Dort angekommen verbrachten wir zwei Nächte im Hotel, um dann für die volle Dauer unseres Aufenthalts in ein kostengünstigeres Hostal zu wechseln. Jeden Morgen nahmen wir von dort aus den täglich überfüllten Bus (Trole) zu
Robertos Praxis am anderen Ende der riesigen Hauptstadt. Das Prinzip der Praxis war mit einfachen Mitteln und
teilweise auch nur provisorisch, die Patienten für beispielsweise ca. einen
Dollar pro Füllung zu versorgen. Aber auch Extraktionen und
Wurzlekanalbehandlungen mit mehr oder weniger sauberen Nadeln standen auf
dem Programm. Das ganze sehr selbstständig und in netter Atmosphäre.
Roberto, der uns betreuende Zahnarzt, brachte uns aber auch neben
fundamentalem zahnmedizinischem Wissen, auch die Altstadt, das Umland und
einige Bars Quitos näher. Sehr zu unserer Freude...
Nun war es an der Zeit, den zweiten
Spenden-Koffer in den Dschungel zu
bringen. Nach sechs stündiger
Busfahrt von 3000m (Quito)
Andenhochland auf fast 0m
tropisches Amazonas-Stamm-Gebiet
durchquerten wir alle
Vegetationszonen und konnten
minütlich zusehen wie die uns
umgebende Fauna immer größer und
grüner wurde. Die wohl beeindruckendste Busfahrt bisher!
In Misahualli fanden wir ein schönes Hostal direkt am Flussufer. Im Nachhinein
eine gute Wahl, weil ab und zu das Wasser ausblieb. Aber auch die nächtliche
Geräuschkulisse hier am Fluss direkt im Dschungel war überwältigend und
tagsüber tobten die Affen über unsere Veranda.
Im Subcentro de Salud wurden wir von Monica äußerst herzlich aufgenommen.
Die Einrichtung war einfach aber sehr
sauber und schon morgens früh
standen die Patienten Schlange um
sich hier völlig kostenlos behandeln zu
lassen. Die Arbeit glich der in Quito
und je nach Andrang musste sehr
schnell gearbeitet werden. Highlight
waren die Behandlungen in den
Dörfern die weiter im Regenwald
lagen. Dazu wurde eine mobile Einheit,
bestehend aus einem Behandlungs-
Klappstuhl und
einem
ohrenbetäubend
lauten
Winkelstück, auf
einen Pickup
geladen und über
Schotterpisten
gings immer
tiefer in den Urwald. In den jeweiligen Dörfern
angekommen, wurden wir stets von bellenden
Hunden begrüßt, die glücklicherweise schnell
genug von ihren Besitzern zurückgehalten
wurden. Meistens bauten wir unseren Behandlungsplatz in verlassenen Häusern
auf. Hier galt das Motto: Hauptsache ein Dach
überm Kopf. Monica inspizierte die Patienten
an der Tür und wies die meist sehr jungen
Kinder entweder dem Extraktions- oder dem
Füllungsstuhl zu. Wir kontnen uns auf Grund
des hohen Patientenandrangs, manche Kinder
warteten drei
Stunden auf eine
Füllung, nicht
gegenseitig assistieren, sondern arbeiteten
parallel. Diese Art zu arbeiten war die
aufregendste und schönste Erfahrung die wir
während der Famulatur gemacht haben. Gerade
auch weil wir unverfälschte Einblicke in den Alltag
der Dorfbewohner bekamen. Zum Bespiel frühmorgendliche
Schweinekastration mit Rasierklinge und Limetten und Salz für die hygienische
Desinfektion. Im Dschungel lebt es sich halt anders. Die Menschen waren aber
sehr freuntlcih und dankbar. Als Dankeschön wurde uns auch mal ein leckeres
Mittagsessen in Form von hiesigen Süßwasserfischen bereitet.
Resumé:
Wir können Ecuador als Famaulaturziel nur wärmstens empfehlen. In diesem
unglaublich vielseitigen Land kann man neben den zahnmedizinischen Erfahrung
auch das Andenhochland, den Dschungel und die wunderschöne Küste
entdecken. Man hat die Möglichkeit aufgrund der geringen Entfernungen auch
in kurzer Zeit fast das ganze Land bereisen zu können und gleichzeitig viel zu
behandeln. Alle Eindrücke die wir auf dem Festland sammeln konnten wurden
dann aber noch von den Inseln die die Welt veränderten getoppt – Galapagos.

carlos  
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