Mit den Kollegen 4500 Zähne gezogen: Studentin aus Bühl war für Hilfsorganisation auf Madagaskar

#1 von carlos , 25.12.2019 01:30

Zähneputzen will gelernt sein: Zahnmedizin-Studentin Marie-Louise Bloching aus Eisental erläutert den Schülern, wie es richtig geht. | Foto: pr
Kaum Versorgung in der Fläche

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Für ein vierwöchiges Praktikum war die aus Bühl stammende Studentin Marie-Louise Bloching auf Madagaskar unterwegs. Ausweislich der Datenlage war die Arbeit dort durchaus intensiv: Gemeinsam mit ihren Kollegen zog Bloching in dem Land, das kaum zahnmedizinische Versorgung kennt, rund 4500 Zähne.


Eisental, Freiburg, Antananarivo: Zugegeben, das wirkt wie eine reichlich abseitige und willkürliche Abfolge an Orten. Doch zumindest für Marie-Louise Bloching haben alle drei Plätze eine besondere Bedeutung. Die Freiburger Zahnmedizin-Studentin aus Eisental hat auf der ostafrikanischen Insel Madagaskar ein vierwöchiges Praktikum absolviert. Das Fazit kann sich sehen lassen: Zusammen mit ihren Kolleginnen und Kollegen hat sie 4 500 Zähne gezogen und 300 Füllungen gelegt.

Zurück in Freiburg erinnert sich Bloching gerne an ihre Zeit auf Madagaskar zurück. Doch wie ist sie überhaupt dazu gekommen, dort zu arbeiten? „Im Studium haben wir die Möglichkeit, eine sogenannte Famulatur, ein freiwilliges Praktikum, zu absolvieren“, erklärt sie.


Bloching wurde auf die gemeinnützige Organisation „Planet Action“ aufmerksam, die Zahnärzte in Malawi und vor allem auf Madagaskar unterstützt. Und hat sich für das Praktikum in Afrika entschieden.
Begleitet von erfahrenen Zahnärzten

Die nicht staatliche Organisation sorgte auf Madagaskar etwa für die Unterbringung von Bloching und ihren Mitstreitern, zudem unterhält sie auf der Insel zwei Lager mit zahnmedizinischen Instrumenten. Dennoch war einiges an Vorarbeit notwendig, bevor die Reise losgehen konnte. Finanz- und Sachspenden mussten organisiert, Arbeitsgenehmigungen und Visa eingeholt und Impfungen abgehakt werden.


Alleine war Bloching nicht: Sowohl bei den Vorbereitungen als auch beim Einsatz selbst begleiteten sie drei weitere Studenten aus Freiburg sowie ein Student aus Madrid. Von der Hauptstadt Antananarivo aus reisten sie mit hauptamtlichen Zahnärzten aus Deutschland durch das Land.

Auf Madagaskar ist (nicht nur) zahnärztliche Unterstützung bitter notwendig. Der flächenmäßig zweitgrößte Inselstaat der Welt ist gleichzeitig eines der ärmsten Länder weltweit. Gerade auf dem Land ist die Situation besonders prekär. „Es gibt dort kaum Zahnärzte, die Situation ist sehr bedenklich“, so Bloching.


In Deutschland dürfte Bloching noch keine Zähne ziehen

Ihre Zeit in Afrika beschreibt die Studentin als sehr bereichernd. Es habe sie etwa sehr gefreut, den Menschen auf Madagaskar helfen zu können. In Deutschland wäre es gar nicht erst möglich gewesen, selbst Zähne zu ziehen.

In einem Land, das weitestgehend keine eigenen Zahnärzte hat, ist dies natürlich eine ganz andere Sache. Erfahrung haben die Studenten natürlich dennoch mitgebracht, sie haben alle bereits in der Klinik Zähne gezogen.

Bloching wurde auf Madagaskar eines sehr schnell bewusst: Die allermeisten Patienten, die die angehenden Zahnärzte auf der Insel behandelt haben, hatten in ihrem Leben zuvor noch nie einen Zahnarzt gesehen. „Wir haben den Kindern in einer Grundschule Zahnbürsten und Zahnpasta mitgebracht und mussten ihnen genau erklären, wie sie eine Zahnbürste richtig zu benutzen haben.“ Die meisten Familien könnten sich so etwas wie eine Zahnbürste gar nicht erst leisten.
Ein paar Tage ohne Strom? Daran gewöhnt man sich

Auch für sich persönlich hat Bloching einiges mitgenommen. Die Unterbringungen waren unterschiedlich, mal war es eine Farm, mal ein Kloster. Gerade vor dem Aufenthalt in dem Kloster der Kleinstadt Tsihombe im Süden Madagaskars habe sie sich gefragt, ob sie mehrere Tage ohne Strom oder fließend warmes Wasser auskommen könne. „Es ist erstaunlich, wie schnell man sich an so etwas gewöhnt. Daran erkennt man, worauf man verzichten kann. Leider ändert sich das schnell wieder, wenn man im gewohnten Alltag zurück ist.“

Gerade befindet sich die Studentin im neunten Semester ihres Studiums, bald ist es geschafft. Die Famulatur in Madagaskar würde sie jederzeit wieder machen und sie auch anderen Studenten empfehlen. „Sie hat es mir möglich gemacht, einmal etwas anderes kennenzulernen“, resümiert sie. „Es war ein tolles Erlebnis.“

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RE: Mit den Kollegen 4500 Zähne gezogen: Studentin aus Bühl war für Hilfsorganisation auf Madagaskar

#2 von carlos , 25.12.2019 01:30

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