Zahnheilkunde in Togo und Kambodscha

#1 von carlos , 22.04.2013 23:15

Vier Zahnärzte für vier Millionen Menschen. Angesichts dieses chronischen Versorgungsmangels nimmt es nicht Wunder, daß sich die Nachricht von der temporären Behandlungsstation Dr. Eriksen und deiner vier Kollegen 40 km vor Togos Landeshauptstadt Lorne wie ein Lauffeuer verbreitete. ´Die Frohe Botschaft von unserer Ankunft wurde sogar in die Nachbarländer Ghana und Benin getragen. Manche Leute nahmen bis zu 500 km Reiseentfernungen auf sich´, so Dr. Eriksen. Bereits vor über zwei Jahren gab Dr.Eriksen seine Stelle als Zahnarzt im dänischen Ikast auf, um in Togo Zähne zu extrahieren. ´Ich war 27 und wollte etwas von der Welt erleben. Aber ich wollte nicht nur als Tourist umherreisen, sondern meine beruflichen Fähigkeiten zum Einsatz bringen. So wandte ich mich an eine Reihe humanitärer Organisationen. Am Ende nutzte ich das Angebot zwei verschiedener Einrichtungen: “ Youth with a Mission“ entssandte mich zunächst nach Togo und mit “The Danish Santalmission“ ging es nach Kambodscha.´

Auf nach Kambodscha

Dr. Eriksen flog von Togo zunächst zurück nach Kopenhagen und bestieg tags darauf ein Flugzeug nach Kambodscha. Hier sollte er an der zahnmedizinischen Ausbildungseinrichtung der amerikanischen Organisation “World Concern“ unterrichten. Zunächst traten jedoch einige Hindernisse auf, weshalb Dr. Eriksen sich anschickte, beim Aufbau eines neuen mitzuwirken bzw. bei der Aufstellung eines Zehnjahreshaushalts für den Bereich der mund- und zahnmedizinischen Versorgung Hilfestellung zu leisten. Das tragischste Kapitel in Kambodschas Geschichte ereignete sich unter dem Pol PotRegime. In jener Zeit wurden eine Million Bewohner innerhalb von nur vier Tgen aus deer Landeshauptstadt Phnom Penh zumeist auf Land vertrieben. Personen mit höherer Schulbildung, darunter auch Zahnärzte, wurden umgebracht. Vor Pol Pots Machtergreifung verfügte Kambodscha über ein intaktes Infrastruktursystem mit einer ausreichenden Zahl an Zahnärzten. Am Ende des Khmer Rouge-Schreckensregimes lebten im ganzen Land nur noch fünf Zahnärzte. Die Fortbewegung in Phnom Penh ist ein großes Pronlem. Vor allem nachts lauerte Gefahr in den Winkeln der Hauptstadt. ’Bisweilen fielen draußen auf der Straße Schüsse und ein Panzer rollte vorbei. Einer meiner Freinde sah sogar mit an, wie jemand auf der Straße erschossen wurde. Die Grausamkeit, die in Kambodscha verübt wurde ist schlichtweg unfaßbar. Umso mehr als die Kambodschaner ein sehr friedliebendes Volk zu sein scheinen’, sagt Dr. Eriksen. Heute verfügt das Land über ca. 140 Zahnärzte. Eine der Aufgaben, mit denen Dr. Eriksen betraut wurde bestand darin, die Ausrüstung für zwanzig landesweit im Aufbau befindliche Zahnarztpraxen einzukaufen. ’Stark Verschleißgefährdete Gegenstände waren unzweckgemäß. Qualitativ anspruchsvolle Ausrüstung war vonnöten, die starker Beanspruchung standhielt. In Kambodscha waren ganz andere Maßstäbe und Faktoren relevant als vergleichsweise in Dänemark.’ Dr. Eriksen betätigte sich ebenfalls im Rahmen eines Fissuren – Versiegelungsprojekts, für das er entsprechendes Lehrmaterial entwarf. Last but not least, übernahm er ein Lehrprojekt an der zahnmedizinischen Fakultät in Phnom Penh.

Kontakt mit fremden Kulturen

Insgesamt betrachtet schätzte Dr. Eriksen an den zahlreichen und abwechslungsvollen Einsätzen in Togo und Kambodscha vor allem die Tatsache, daß sie ihm die Chance boten, unmittelbaren Kontakt mit der einheimischen Bevölkerung aufzunehmen. Prägend sei v.a. auch die Erfahrung gewesen, zusammen mit etlichen Gleichgesinnten aus aller Welt das Team auf dem Versorgungsdampfer ´´Anastasis´´ zu bilden. ’Die wichtigste Erkenntnis dabei war, dass wir – trotz unterschiedlichster nationaler Herkunft und infolgedessen oftmals sehr stark differierenden Ansichten (hinsichtlich bestimmter Dinge) – als Team so erfolgreich zusammenarbeiteten. Gerade dieser Aspekt kommt mir in letzter Zeit öfter in den Sinn, da die Flüchtlings- und Immigrantenfrage wieder hohe Wogen schlägt. Meine Aufenthalte haben mich eine Menge gelehrt – über mich selbst, aber vor allem auch das dänische Volk als solches,’ sagt Dr. Eriksen und fügt hinzu:
’Wir sind uns sehr wohl der Tatsache bewusst, dass materielle Güter nicht mit persönlichem Glück gleichzusetzen sind. In Togo erlebte ich den Beweiß hierfür; dort sind die Menschen in aller Regel wesentlich glücklicher als die Dänen. Es scheint irgendwie aberwitzig, dass wir Dänen mit all unserem materiellen Wohlstand im Vergleich zu den Afrikanern scheinbar so viel mehr Sorgen haben.’ Für Dr. Eriksen erwiess sich die Reise in doppelter Hinsicht als ein Erfolg. Unterwegs auf dem Schiff lernte er die Assistentin Inger Sode kennen, die er im März des vergangenen Jahres heiratete.



Von Elisabeth Poulsen

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