Kritik am Konzept der toxischen Beziehung

#1 von Anacoana , 31.03.2025 16:43

Kritikerinnen und Kritiker stören sich vor allem daran, dass der plakative Begriff einen differenzierten Blick auf die Partnerschaft verstellen kann. „Im Zeitalter des Internets setzten sich heute Etiketten für bestimmte Phänomene sehr viel schneller durch als früher“, sagt der Persönlichkeitspsychologe Philipp Yorck Herzberg. „Der Begriff ‚toxisch‘ ist dafür ein Beispiel.“ Der Beziehung ein Label zu verpassen, sei aber nicht hilfreich: „Wichtig ist es, im Detail zu beschreiben, wo genau es hapert und was im Gegenteil auch gut läuft. Nur so kommt man zu einer differenzierten Stärken-Schwächen-Analyse, mit der man arbeiten kann.“

Wer eine Beziehung als toxisch bezeichnet, stempelt sie damit also ein Stück weit ab: Die Partnerschaft ist schädlich, Punkt. Was giftig ist, kann nie gesund werden. Tatsächlich können die Partner aber lernen, ihre Beziehung zu verbessern – konstruktiver zu kommunizieren, anders mit Konflikten umzugehen, sich in die Position des anderen zu versetzen. Das Etikett „toxisch“ blendet dieses Entwicklungspotenzial ein Stück weit aus. Solche festen Zuschreibungen können Konfliktlösungen verhindern, zeigt die Forschung. Diesen Effekt sollte man zumindest im Blick behalten, wenn man den Begriff verwendet.

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