Famulaturbericht Kenia

#1 von Captain , 13.11.2011 14:36

Vorbereitung
Wir hatten schon so viel von Famulaturen gehört, wollten uns in den Semesterferien nützlich machen und natürlich den Menschen in Kenya helfen. Ein bisschen Fernweh und Reiselust war natürlich auch dabei.
Wir haben etwa ein halbes Jahr vor unserer Famulatur mehrere Hilfsprojekte und Kliniken in Kenya angeschrieben und bekamen eine Zusage vom Kikuyu Hospital, eine Missionsklinik in dem kleinen Dorf Kikuyu, 15 km von der Hauptstadt Nairobi entfernt. Nach Prothetik 2 ging es dann endlich für die Semesterferien los:
Einreise, Geld
In Kenya wird mit Shilling bezahlt, Dollar wird nur in touristischen Gegenden akzeptiert und ist für die lokale Wirtschaft nicht förderlich. Ein Euro sind etwa 100 Shilling.
Das Visum bekommt man direkt bei der Einreise am Flughafen und beträgt 20 € und kann auch in Euro bezahlt werden (keine Dollarscheine von 1996 oder 1999 mitnehmen, haben einen schlechten Wechselkurs – warum konnte uns bisher niemand sagen).
Die Klinik
Für 6 Wochen sind wir zum Behandeln nach Kenia – was für eine Erfahrung!
Wir sind in der Klinik sehr freundlich empfangen worden, wenn wir auch das Gefühl hatten, dass der Klinikdirektor sich über mehr Sachspenden gefreut hätte als wir mitgebracht
hatten.
Die Klinik ist recht gut ausgestattet, im kenianischen Vergleich genießt sie einen sehr guten Ruf. Dennoch mussten wir uns umgewöhnen – Einheiten, die plötzlich streiken oder
Stromausfall waren wir nicht gewohnt! Händedesinfektion haben wir zum Glück dabeigehabt, die gab es dort leider nicht.
Wir haben hauptsächlich Zahnreinigungen und PA-Behandlungen gemacht, wobei hier kein Unterschied zwischen PZR und PA Behandlungen gemacht wurde. Die Küretten dort waren stumpf und einen Schleifstein gab es nicht. Wir waren fasziniert von den Mengen an Zahnstein, die uns in den 6 Wochen begegnet sind. Einige Patienten befürchteten sogar wir würden Teile ihrer Zähne entfernen (einzige Möglichkeit sie vom Gegenteil zu überzeugen war ihnen die Zahnstein“platten“ zu zeigen)!
Zahnextraktionen haben wir auch viele gemacht, dabei wurden wir hauptsächlich von Rahab, einer Dentalhygienikerin und James, einem Zahnmedizinstudenten im letzten Jahr unterstützt.In Kenya dürfen Dentalhygienikerinnen nicht nur Zahnreinigungen machen, sondern anästhesieren ebenso wie sie auch Zähne extrahieren. Zahnmedizinstudenten müssen hier ein Jahr Praktikum vor dem Staatsexamen machen.
Weit verbreitet sind hier männliche „Zahnarzthelferinnen“, wie Robert und John. Der Zahntechniker Fred hat die gesamte Prothetik in der Klinik gemacht – von Abdrücken, Kieferrelationsbestimmungen und anfertigen der Arbeiten bis zum Einsetzen und Anpassen.
Unter den vier Zahnärztinnen haben wir besonders gut mit Patience verstanden und waren zusammen auch mal essen und Party machen – keine tanzt so wie sie!
Unser Höhepunkt war ein Besuch im Kinderheim in Karai, wo wir mit den Kindern Mundhygienetraining gemacht haben und haben jedes einzelne Kind befundet und den Behandlungsbedarf dokumentiert. Die Kinder wurden dann in der Klinik behandelt.
Unterkunft und Verpflegung
Wir haben uns gemeinsam eine möblierte Wohnung zwischen Kikuyu und Nairobi für die Zeit unserer Famulatur gemietet (450€/Monat). Das war die billigste und am günstigsten
gelegene Unterkunft, die wir finden konnten. Alternativ hätten wir ein Zimmer auf dem Missionsgelände nehmen können, allerdings fanden wir die 23 € pro Nacht und Person viel zu teuer (für Kenianer 15 €) und wenn wir dort gewohnt hätten, wären wir dort für die Zeit unserer Famulatur in unserer Freizeitplanung doch sehr eingeschränkt gewesen. Durch die Lage unserer Wohnung konnten wir wenn wir wollten jeden Tag noch nach Nairobi fahren und waren auch zeitlich ungebunden. Das große Problem dem wir uns stellen mussten war eine 4-wöchige Phase ohne fließendes Wasser: waschen aus einer Schüssel (sich selbst und das Geschirr) und unter die Dusche springen, sobald ein paar Tröpfchen Wasser aus der Dusche kamen und hoffen dass man die erste ist...
Sicher war unserer Bleibe allemal: der Nachbar hatte Hunde in einem Zwinger genau ein Meter vor unserem Schlafzimmer, die jede dritte Nacht gebellt haben.
Kenya ist teurer als wir gedacht haben. In der Zeit in der wir da waren haben wir um die 70 € Transportkosten gehabt (Vergleich zu München: Monatskarte für Studenten etwa 55 €). Das Essen allerdings ist billiger, frischer und ungespritzt. Selber kochen ist noch günstiger und macht Spaß!
Freizeitplanung
Nach der Arbeit sind wir eigentlich immer direkt nach Nairobi Town gefahren. Dort haben wir Freunde getroffen, waren auf dem Massai Market (kenianische Kunst und und dem City Market (wo es sehr leckeren frischen Fisch gibt) und haben uns durch das gesamte Stadtzentrum geschlemmt.
An den Wochenenden waren wir nur unterwegs: Wir haben uns ein Giraffenzentrum angeschaut, waren auf einer Straußenfarm, in legendären Discos unterwegs – Nairobi ist eine tolle Stadt zum Weggehen!
Wir waren sogar im Theater und in einer Show, wo verschiedene Stämme Kenyas ihre kulturellen Tänze vorgeführt haben.
Und die Fourteenfalls haben wir uns natürlich auch angeschaut und haben die insgesamt 7 Stunden Fahrt (für 100 km) nur für diesen schönen Anblick auf uns genommen – die Niagarafälle können nicht mithalten.
Fazit und Tips
Insgesamt war es eine sehr schöne Zeit, wir haben fachlich und fürs Leben viel gelernt.
Wichtig:
Pass als Kopie immer dabeihaben (und evtl den freundlichen Polizisten zeigen)
Immer Kleingeld beim Busfahren dabeihaben
Immodium akut ist super
Nachts Taxi fahren – ist sicher und nicht so teuer
Vitamin B ist Gold wert
Immer auf seine Wertsachen acht geben

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RE: Famulaturbericht Kenia

#2 von Captain , 13.11.2011 14:36

Adresse Der Klinik:
www.pceakikuyuhospital.org
Bei Fragen meldet euch gerne bei uns:
shi-rob-stuhler@gmx.de, hadelinde@web.de

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RE: Famulaturbericht Kenia

#3 von Captain , 13.11.2011 14:37

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