Mobiler zahnärztlicher Einsatz im Urwald Ecuadors

#1 von carlos , 07.07.2010 21:38

Die provisorische Zahnarztpraxis ist geöffnet
Es ist noch früh am Morgen im nebelverhangenen Guadalupe im Regenwald von Ecuador. Ein Zahnarzt und eine Helferin aus Deutschland sowie ein einheimischer Fahrer haben den offenen Pickup für ihren mobilen zahnärztlichen Einsatz beladen. Sie haben sich für die "Dental Jornada" (Zahnärztliche Tagesreise) mit den notwendigsten zahnärztlichen Ausrüstungsgegenständen versorgt. Jetzt können sie auch außerhalb der "Clinica Santa Maria de Guadalupe" zahnärztliche Hilfe leisten.

Auf die Vorbereitung wurde große Sorgfalt gelegt, denn die Bedingungen mitten im Urwald sind andere als in der Klinik in Guadalupe. Es handelt sich hauptsächlich um chirurgisches Besteck, sprich Zangen, Hebel, Tupfer, Injektionsspritzen und genügend Anästhetika. Dazu noch Füllungsmaterialien und – instrumente, da eine tragbare Einheit mit Luftwasserspritze, Sauger, Airscaler (Zahnsteinentferner) und Mikromotor ebenfalls zur Verfügung steht.

Patientenandrang ist groß

Allradauto fährt über SchotterpisteFoto: Dr. Gent/ FCSM Vergrößerung Auf schwierigen Wegen zu den PatientenUm sieben Uhr startet das Team auf meist ausgefahrenen und abenteuerlich anmutenden Pisten zu den bis zu einer Stunde Fahrzeit entfernten Gemeinden. Hier werden Gemeindesäle oder auch bereits vorhandene "Centros de salud" (Gesundheitszentren), meist aber irgendwelche größeren Räume zum Behandlungszimmer umfunktioniert. Tische für das Instrumentarium und einfache Plastikstühle zum Behandeln bilden "Consultorio" ( Sprechzimmer). Der Patientenandrang ist groß. Die Behandlung der Patienten ist mühselig.

In den meisten Fällen werden die Zähne extrahiert (Zahnentfernung), da die mobile Einheit häufiger wegen Stromausfalls oder anderer technischer Probleme nicht einsatzfähig ist. Funktioniert sie, werden Füllungen gelegt und ebenfalls Zahnreinigungen durchgeführt.

Neugierig schauen dabei viele Einwohnerinnen und Einwohner den Zahnärzten über die Schulter. Gelegentlich verirren sich Hunde oder Hühner in die Räume. Im Durchschnitt werden pro Tag bis zu 30 Patienten behandelt, wobei jeder Patient unabhängig vom Behandlungsumfang einen Dollar Gebühr zahlt. Nach erfolgter Tagesarbeit wird die Ausrüstung verpackt und die Heimfahrt angetreten.

Herzlicher Empfang

Es gibt allerdings auch Einsätze, die die Ärzte auf Grund der großen Entfernung von der Missionsklinik dazu zwingen, in den Dörfern zu übernachten. Die Ärzte kommen in direkte Berührung mit den ärmlichen Bedingungen der Bevölkerung und teilen ihre Lebensumstände. Immer wieder sind die Ärzte beeindruckt von der Offenheit und Herzlichkeit, mit der sie empfangen werden. Trotzdem sind die Reisen anstrengend, so dass das Team erleichtert ist, wenn sie wieder zur Klinik zurückkehren.

Insgesamt gesehen sind diese "Jornadas" eine Alternative zur reinen Klinikarbeit in Guadalupe. Dadurch können bei erfolgreichem Ausbau noch mehr Patienten betreut werden. Der Bedarf ist auf jeden Fall vorhanden.

Das Angebot der qualitativ hochwertigen und dabei außerordentlich günstigen Versorgung nehmen auch gut situierte Ecuadorianer aus dem Umfeld der Missionsklinik in Guadalupe vermehrt wahr. Das widerspricht allerdings dem Anspruch des Förderkreises Clinica Santa Maria (FSCM), den Ärmsten eine ordentliche und auch erschwingliche Basisbehandlung zu bieten.

Arbeit in Missionsklinik bleibt Schwerpunkt

Menschen stehen in einer SchlangeFoto: Dr. Gent/ FCSM Vergrößerung Durch Außeneinsätze mehr Menschen behandeltUm dieses Ziel zu erreichen, ist das Projekt einer mobilen zahnärztlichen Hilfe in den Dörfern der Region Zamorra entstanden. Durch diese Außeneinsätze soll eine Vielzahl von leidenden Menschen erreicht werden. Sie könnten sonst aus finanziellen Gründen, wegen zu großer Entfernungen zur Klinik oder auch aus reinem Unwissen nicht versorgt werden. Das Hauptgewicht der Behandlungen liegt jedoch immer noch in der Missionsklinik selbst.

Durch den unermüdlichen Einsatz von Pater Jorges Nigsch und des FSCM hat ein kleiner wirtschaftlicher Aufschwung in und um die Gemeinde Guadalupe stattgefunden. Das Dorf lag mit seinen damals 600 Einwohnern abseits aller Verkehrswege und war nur mit dem Bus über holprige Urwaldpisten zu erreichen. Zurzeit wird eine Straße gebaut. Die über den Yucambi führende Hängebrücke wird durch eine feste Brücke ersetzt. Die ehemals armseligen Hütten sind teilweise recht ansehnlichen Häusern gewichen. Die Dorfstraße ist gepflastert und es gibt einen kleinen gepflegten Park. Ebenso findet man Läden mit reichhaltigem Angebot, Restaurants und ein kleines Hotel. Selbst die moderne Informationstechnik hat bereits Einzug gehalten.

Diese Entwicklung wird nachhaltig durch die Arbeit der deutschen Zahnärzte gefördert. Denn immer mehr Menschen zieht es ins Yucambital, die dort einkaufen, Dienstleistungen in Anspruch nehmen oder sich niederlassen. Es sind Arbeitsplätze entstanden, wodurch die Bewohner ein festes wenn auch bescheidenes Einkommen erzielen können. Somit sind sie nicht gezwungen, anderweitig wirtschaftliche Unabhängigkeit zu erlangen.

Die Organisation dieses Entwicklungsprojekts erfolgt durch den " Förderkreis Clinica Santa Maria de Guadalupe", einem Verbund engagierter Zahnärzte, Zahntechniker und Dentalhygienikerinnen aus Deutschland und der Schweiz.

(Autor: Dr. Jochen Gent, Pressereferent Förderkreis Clinica Santa Maria e.V., Ludwigsburg)

http://www.bundesregierung.de/Content/DE...uador-fcsm.html

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