Michael Weber, Klagenfurt auf Madagaskar

#1 von carlos , 16.01.2011 15:09

Vor der Ostküste
Afrikas liegt die viertgrößte
Insel der Welt: Madagaskar.
Das Land wird immer
wieder von Dürren und Wirbelstürmen
heimgesucht und
ist eines der ärmsten Länder
weltweit. Auch die zahnärztliche
Versorgung ist schlecht.
Ein Erfahrungsbericht des
Klagenfurter Zahnarztes Michael
Weber, der sich seit fünf
Jahren auf der Insel engagiert.
Im Jahr 2004 begann mein
mir sehr wichtig, das jeder gespendete
Euro auch dort ankommt,
wo er wirklich gebraucht
wird. Ich bin ständig
mit der in Akamasoa behandelnden
Zahnärztin per E-Mail
in Kontakt und wenn sie etwas
braucht, versuche ich, es zu besorgen
und sobald als möglich
zuzusenden. Sie versorgt alleine
40.000 Menschen und es
werden täglich immer mehr.
Die Bevölkerung Madagaskars
ist alleine in sechs Jahren bis
2007 von 12 auf 17 Millionen angewachsen.
Zusätzlich zu der materiellen
Hilfe in Form von zahnärztlicher
Gerätschaft nahm
ich immer einige tausend Euro
an Bargeld mit. Dieses Geld
konnte sofort für den Ankauf
von Reis verwendet werden,
denn Madagaskar wird regelmäßig
von Zyklonen, tropische
Wirbelstürme, heimgesucht,
die das Land verwüsten
und die Ernte vernichten.
Der gekaufte Reis hilft, Hungerskatastrophen
abzuwenden.
Die Unterkunft ist sehr bescheiden
und die Hygiene das
größte Problem. Auch in der
Ambulanz hat dieses Thema
immer Priorität, denn die Patienten
wechseln schnell und
ich bin schon froh, wenn jeder
mit einem sauberen Instrument
behandelt werden kann.
Nachdem ich die Ambulanz
von Akamasoa so halbwegs in
den Griff bekommen habe,
wollte ich auch für die Missionsstationen,
die 1.000 Kilometer
südlich von der Hauptstadt
Antananarivo liegen, etwas
tun. Dort gibt es teilweise
im Umkreis von einigen Hundert
Kilometern keinen Zahnarzt.
Es gibt auch fast keine Infrastruktur
und keinen Strom.
Die Menschen leben in einfachen
Holzhütten ohne Wasser
und Strom. Die einzigen gebauten
Gebäude sind die Missionsstationen.
Die Straßen sind unbefestigt
und nach Regenfällen
unbefahrbar.
Im vergangenen Sommer
verbrachte ich meinen Urlaub
im Süden Madagaskars. Den
dortigen Verhältnissen angepasst
kaufte ich einen mobilen
Behandlungsstuhl, der mit Solarstrom,
220 Volt oder einer
Autobatterie betrieben werden
kann. Auch das ganze Ordinationsequipment
wurde in drei
Koffern mitgeschleppt. Das
Ziel war die neue Krankenstation
in Ampitafa.
Meine Frau, die mir assistierte,
meine Schwägerin, die
ein Projekt für natürliche Empfängnisverhütung
im Koffer
hatte, und mein jüngster Sohn
Valentin begleiteten mich. Da
der Missionar Janez auf einem
Auge blind war, fuhr ich die
weite Strecke in den Süden. Es
war die abenteuerlichste Reise
in meinem Leben. Mit nur 30
bis 40 Kilometern pro Stunde
ging es über teilweise unpassierbare
Straßen, vom Regen
ausgewaschene Schlaglöcher
und über Flüsse mit Fährschiffen,
die mit bloßen Händen gezogen
wurden, weil die Motoren
entweder kaputt waren oder
kein Diesel vorhanden war.
In der Krankenstation angekommen,
musste ich feststellen,
dass keine Möbel in der
neu eingerichteten Zahnstation,
ganze acht Quadratmeter groß,
vorhanden waren. Ich nahm die
Liege aus der Geburtenstation
in Beschlag und improvisierte.
Die Zähne bei den Madagassen
sind durch das Kauen von
Zuckerrohr sehr schlecht. Den
meisten Jugendlichen fehlen
schon bleibende Zähne. Die
Lage ist einfach deprimierend.
Es gibt auch wenige „wohlhabende“
Frauen, die sich als
Statussymbol einen Goldzahn
in die Prothese machen lassen.
Aber sie sind seltene Ausnahmen.
Ich werde noch viele Helfer
brauchen, um die Lage etwas
zu lindern. Am besten hilft eine
Geldspende, da dann vor Ort
das wirklich Notwendige zum
Überleben gekauft werden
kann.
Spenden an:
Spendenkonto Madagaskar
Konto-Nr.: 11617000
BLZ 52000
Bankinstitut:
Hypo-Alpe-Adria-Bank
Einsatz für Madagaskar, nachdem
ich Pedro Opeka, der
schon 36 Jahre auf Madagaskar
als Missionar tätig ist, im Sommer
in meiner Ordination kennengelernt
habe. Er erzählte
mir von den sehr bescheidenen
Verhältnissen auf der Insel und
ich entschloss mich spontan,
diese Situation zu verbessern.
Ich sammelte Material und
technische Geräte – insgesamt
war die Fracht 500 Kilo
schwer –, die von der Austrodent,
Heraeus Kulzer und vielen
anderen zur Verfügung gestellt
wurden, und sandte diese
im Oktober 2004 nach Madagaskar.
Viele Helfer standen mir
zur Seite, vor allem meine Frau.
Ende des gleichen Jahres
verbrachte ich fünf Wochen in
Akamasoa, was soviel heißt wie
das „Dorf der Freunde“, und an
den Müllhalden am Rand der
Hauptstadt Antananarivo liegt.
Meine Familie folgte mir 14
Tage später. Der dort tätigen
einheimischen Zahnärztin
zeigte ich, wie sie die neuen Geräte
und Materialien am besten
und effektivsten einsetzen
kann. Vieles konnte verbessert
werden. Auch ein gebrauchtes
Röntgengerät, das ich alleine
zusammenbauen musste,
nahm ich in Betrieb. Viele Stunden
und Tage verbrachte ich in
der Ambulanz von Akamasoa.
Als ich mit meiner Familie
heimkehrte, wusste ich, dass
dies erst der Anfang von einem
lebenslangen Projekt sein wird.
Im Oktober 2006 war ich wieder
in Akamasoa. Mit der Unterstützung
des Kärntner Zweigvereins
der Österreichischen
Gesellschaft für Zahn-, Mundund
Kieferheilkunde (ÖGZMK)
sowie des Casinos Tivoli in Slowenien
und weiterer Spender
konnte ich 10.000 Zahnbürsten
und Zahnpasten einkaufen. Es
blieb noch einiges Bargeld
übrig, das ich persönlich Pedro
Opeka übergab.
Ich wollte das Problem von
einer anderen Seite angehen,
und die Karieshäufigkeit durch
Prophylaxe senken. Dies erscheint
mir als der einzige sinnvolle
Weg, den Notstand etwas
zu lindern. So unterrichtete ich
etwa 80 Lehrer Akamasoas in
Mundhygiene. Sie gaben ihr
Wissen direkt an die 8.500 Schüler
weiter und gaben ihnen auch
eine Zahnbürste und Zahnpaste
zur täglichen Pflege. Nach meiner
Rückkehr spendete die
Firma Colgate die nächsten
10.000 Zahnbürsten und Zahnpasten,
die sofort nach Madagaskar
versandt wurden.
Leider war damals der Behandlungsstuhl
in der Ambulanz
von Akamasoa schon sehr
desolat und die heimische
Zahnärztin verzweifelt, da
nichts mehr funktionierte. Es
war sehr schwierig, unter solchen
Umständen zu arbeiten.
Ich versuchte sofort nach meiner
Rückkehr Sponsoren für
einen neuen Behandlungsstuhl
zu finden. Dieses Projekt verwirklichte
ich mithilfe der
ÖGZMK, des Landes Kärnten
und des Kiwanis, ein internationaler
Wohltätigkeitsclub, der
auch in Österreich vertreten ist.
Bernarda Fink, eine weltbekannte
Mezzosopranistin und
meine Schwägerin, spendete
ihre Gage eines Benefizkonzertes,
das im Stadttheater Klagenfurt
stattfand. Dank dieser
unterschiedlichsten Helfer und
Spender konnte der neue Behandlungsstuhl
im April 2007
von zwei Technikern der Firma
Pluradent montiert werden, mit
denen ich nach Antananarivo
geflogen bin. Die einheimische
Zahnärztin wurde dann noch
geschult und das Projekt war
erfolgreich abgeschlossen.
Der Flug und die anfallenden
Kosten werden selbstverständlich
immer aus der eigenen
Tasche und nicht aus Spendengeldern
finanziert. Es ist

carlos  
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