Famulatur auf den Fidschi-Inseln

#1 von carlos , 22.01.2017 00:45

Nach unserem zweimonatigen Aufenthalt auf den Fiji-Inseln, sitzen wir nun wieder in Aachen/Deutschland. Ein lauer Frühlingstag neigt sich seinem Ende. Zwei Tassen Kaffee sind geleert, die Fotos sind in der Dropbox und die Endabrechnung steht - Zeit für einen Rückblick.

Unsere ersten Erinnerungen drehen sich mit Sicherheit um die Menschen, die wir an unserem Arbeitsplatz und auf der Reise kennengelernt haben. Da war z.B. dieser kleine Chinese, aber das ist eine andere Geschichte.....

Grundsätzlich gewinnt man den Eindruck, immer wie ein alter Freund begrüßt zu werden, wenn man auf Fiji einen Raum betritt. Alle begrüßen einen mit einem lauten „Bula!“, Brot mit gesalzener Butter und einem süßen Tee. Anhand der Essensgewohnheiten, am Stadtbild und der Queen an der Wand, bemerkt man den kolonialgeschichtlichen Hintergrund auch noch nach 45 Jahren, wobei sich das Wesen der Fijianer sicherlich doch grundlegend von dem der Briten unterscheidet.

Die Zuckerindustrie spielte zu dieser Zeit die wichtigste Rolle im Exporthandel Fijis und die zweitgrößte Stadt auf der Hauptinsel Viti Levu – Lautoka – stellt nach wie vor das Zentrum der Zuckerverabeitung dar – vielleicht ein Grund, weshalb die Fijianer ihren Tee gerne stark süßen. Dementsprechend gibt es auch im Dental Department genügend Arbeit für Zahnärzte und solche wie uns, die es werden wollen. Im Dental Department von Lautoka sollten wir also unsere 30tägige zahnmedizinische Famulatur absolvieren.



Der erste Kontakt zur Fiji National University (FNU) entstand ein Jahr zuvor. Unsere Ansprechpartnerin für sämtliche Angelenheiten, Alisi Batimoko (alisi.batimoko@fnu.ac.fj), arrangierte für uns die Famulantenstelle in Lautoka. Mit dem Bestätigungsschreiben der FNU konnten wir uns daraufhin für den Fahrtkostenzuschuss des DAAD bewerben. Hilfreich ist, sich frühzeitig genau zu informieren, welche Dokumente man wann und wo einreichen muss, da durch die Umstellung auf das Online-Portal des DAAD alles ein wenig unübersichtlich geworden ist.

Parallel zum Bewerbungsverfahren kümmerten wir und um Spendenmaterialien verschiedener deutscher Dentalfirmen, die uns großteils gerne bei unserem Vorhaben unterstützt haben. Alle Materialien konnten wir Dank eines gratis Zusatzgespäckstücks für Spendenmaterialien mit KoreanAir auf unserem Flug transportieren. Damit wir keine Zollgebühren bezahlen mussten, kontaktierten wir David Aidney (suva@hk-diplo.de), Generalkonsul der BRD auf Fiji. Dieser organisierte freundlicherweise über seine Firma Williams&Goslings die duty-free-Einfuhr der Spenden.



An dieser Stelle möchten wir nochmal betonen, dass das Dental Department in der Tat auf Spenden in Form von Verbrauchsmaterialien (Komposit, Amalgam, Mundschutz (!!!), Handschuhe) angewiesen ist. Materialien werden ansonsten ausschließlich von der Regierung zu einem bestimmten Kontingent bestellt und können von den Angestellten der Zahnklinik nicht wie hierzulande mal eben nachbestellt werden, wenn sie verbraucht sind. Es kam auch schonmal vor, dass Patienten ohne Füllung nach Hause geschickt werden mussten, da kurzzeitg kein Material vorhanden war.



Untergebracht waren wir in der ersten Woche im Cathay Hotel (ohne Frühstück 10€ p.P.) – 10 Gehminuten vom Lautoka Hospital entfernt. Die Unterkunft wurde uns in dem Bestätigungsschreiben der Fiji National University (FNU) empfohlen und kann unsererseits für den Start auch weiter empfohlen werden. Wir hatten das Glück, eine philippinische Zahnärztin kennen zu lernen, die sehr engagiert Freiwilligenprojekte auf Fiji mit Marine Reach (www.marinereachministries.com) organisiert. In deren Unterbringung für Freiwillige konnten auch wir ab der zweiten Woche gegen eine Aufwandsentschädigung von ca. 8€ p.P. günstiger wohnen, da wir nun auch selbst kochen konnten und uns so die täglichen Restaurant-Besuche sparten.



Der Arbeitstag begann um 8.00 Uhr mit einer Frühbesprechung, die sich jedoch grundlegend von einer Frühbesprechung in Deutschland unterscheidet. Nach einem kurzen Morgengebet wurden organisatorische Angelegenheiten besprochen und weniger bis gar keine Patientenfälle thematisiert, da in der staatlichen Zahnklinik größtenteils außerterminliche Patienten behandelt werden. Selten wurden nach Terminvereinbarung auch endodontische, einfache prothetische (Teil- und Totalprothesen) und prophylaktische Maßnahmen durchgeführt. Gerade in Bezug auf Prophylaxe und Mundhygieneaufklärung ist zu erkennen, dass der kommenden Generation ein umfassenderes Bewusstsein für Mundgesundheit vermittelt wird.

Nach dem Morning Brief begann dann der aktive, zahnärztliche Arbeitstag. Wir hatten das Glück, dass uns ein Raum zur Verfügung gestellt wurde, in dem wir im Prinzip eigenständig arbeiten durften. Zu unseren Tätigkeiten gehörten dabei Extraktionen, Füllungen und kleinere parodontale Therapien. In schwierigen Fällen oder für sonstige Fragen stand uns der Senior Dental Officer Dr. Penaia – der merklich stolz war, zwei deutsche Studenten unter seinen Fittichen zu haben - stets zur Verfügung. Hierbei ist anzumerken, dass auf Fiji größtenteils die Patienten die Diagnose und die Therapie stellen. Beratungsgespräche über eine mögliche endodontische Behandlung eines Zahnes wurden meist abgetan und die Extraktion bevorzugt – einerseits natürlich aus Kostengründen, aber auch mangels Patientenwillen, solch einen Aufwand für einen Zahn zu betreiben. Was man auch mit Sicherheit über jeden Tag in der Zahnklinik sagen kann, ist, dass alle Fijianer eine ausgeprägte Liebe zum Humor und Scherz haben. Kein Tag verging ohne einen kleinen Schabernack á la Max und Moritz.

Zwischen Füllungen und Extraktionen wurde mit Sorgfalt darauf geachtet, dass wir nicht schneller als in Fiji Time arbeiteten. So wurden an einem Tag zahlreiche Teebeutel aufgegossen, dazu Roti und Samosa (traditionelle Hindu-Mahlzeiten) vertilgt und mit den Angestellten über fijianische Tradition und Geschichte gesprochen. Üblicherweise wird das eigene Essen mit den Freunden und Mitarbeitern geteilt, jedoch wurden in erster Linie WIR gefüttert.

Der Arbeitstag endete für alle, also auch für uns, um 16.00 Uhr. Wenn allerdings am Nachmittag das Patientenaufkommen nachließ oder auch gar keine Patienten da waren, wurden wir auch schonmal früher in den Feierabend entlassen.



Apropos früher Feierabend: die Freizeitmöglichkeiten sind in Lautoka leider beschränkt. Es gibt ein paar Cafés (z.B. Blue Ginger) und Restaurants (z.B. B.B.Q. Chicken), in denen man seinen Nachmittag ausklingen lassen kann. Außerdem gibt es zahlreiche Geschäfte, einen Markt mit regionalen Lebensmitteln und einen sehenswerten Handelshafen. An einem sehr langen Nachmittag kann man auch das 20 Fahrminuten entfernte Vuda Marina mit Yachthafen besuchen oder nach Nadi an den Surfstrand, wo sich die deutsch-englische Work&Traveler-Gemeinde von Arbeit und Reise in Australien oder Neuseeland erholt. An den Wochenenden empfehlen sich größere Ausflüge in den Süden oder Osten der Hauptinsel.



Die Zeit nach unserer Famulatur nutzten wir um die nord-westlichen Inselgruppen Fijis, die sog. Yasawa- und Mamanuka-Groups, zu erkunden. Da diese Inseln touristischer sind als die Hauptinsel, unterscheiden sie sich auch sehr von dieser. Jede der erkundeten Inseln hat dabei ihren ganz eigenen Charme. Der Schiffstransfer zwischen den einzelnen Inseln wird von Southsea Cruises organisiert. Es ist hierbei möglich sich einen Pass zu besorgen mit dem man über eine gewisse Zeit (1-3 Wochen) Inselgruppen anfahren und dort übernachten kann. Es ist auch möglich ohne Pass zu reisen. Man muss sich dann jedoch bei jeder Fahrt ein neues Transferticket auf dem Boot (ist billiger als am Hafen) kaufen. Was sich am Ende finanziell mehr lohnt ist individuell unterschiedlich. Für einen kurzen Urlaub mit vielen Boottransfers empfiehlt sich der Pass (Bula-Pass). Seid ihr jedoch länger unterwegs und wollt euch für mehrere Tage auf einer Insel aufhalten bindet euch besser nicht durch den Bula-Pass. Wichtig ist eigentlich nur zu wissen, dass es keine kleinen, günstigeren privaten Anbieter gibt, die einen Inseltransfer organisieren, worauf wir eigentlich gehofft hatten.



Wir wünschen jedem, der den Weg zu den Fiji Islands auf sich nimmt, eine ebenso eindrucksvolle und bleibende Erinnerung, wie wir sie mitnehmen dürfen. Bula vinaka.

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RE: Famulatur auf den Fidschi-Inseln

#2 von carlos , 22.01.2017 00:45

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