Ecuador

RE: Dentalhygienikerin in der Clinica Misional Nuestra Senora de Guadalupe

 von carlos , 22.10.2014 15:59

Zwei Dentalhygienikerinnen in Ecuador

Drei Wochen in Ecuador, zwei Wochen in der „Clinica Misional Nuestra Senora de Guadalupe“.

Von Frankfurt aus gestartet, mussten wir durch eine kurzfristige Streichung unseres Fluges den umständlichen Weg über Sao Paulo – Lima fliegen und kamen dadurch auch prompt einen Tag zu spät in Quito an. Die Familie Proano, bei der wir reserviert hatten, nahm uns das aber nicht übel. Sie zeigte uns noch am selben Tag die interessantesten Plätze der Stadt. Todmüde fielen wir am Abend ins Bett, denn frühmorgens am nächsten Tag sollte es mit einem Inlandflug nach Loja gehen und von da aus weiter mit dem Bus nach Guadalupe. Endlich dort angekommen, zeigten sich die Bewohner schon das erste Mal sehr hilfsbereit und trugen unser schweres Gepäck mit den mitgebrachten Spenden zur Mission.

Sobald man über die Hängebrücke geht, betritt man eine andere Welt. Die Mission ist eine sehr gepflegte und mit viel Liebe erbaute Einrichtung, bei der man darauf bedacht war, es an nichts fehlen zu lassen. Die Residencia (das Ärztewohnhaus), thront mit ihrer herrlichen Aussicht über der Anlage. Dort oben empfingen uns eine Zahnärztin, zwei Studenten und ein Zahntechniker, mit denen wir zwei kurzweilige Wochen verbrachten.

Als größtes Problem des ersten Tages stellte sich heraus, dass nur zwei Behandlungszimmer für drei Ärzte und zwei DH´s zur Verfügung standen. Wegen des großen Patientenandranges war es zweckvoll, dass die Ärzte in beiden Zimmern behandelten und wir für die Prophylaxe ein anderes Zimmer suchen mussten. Zum Glück gab es Amanda (Krankenschwester), die mit Hilfe von ein paar starken Männern schnell einen dritten Behandlungsstuhl heranschaffte und in einem Notzimmer abstellte. Das sollte also unser Behandlungszimmer werden???????? Doch ohne großen Aufwand wurden noch schnell eine Absauganlage, OP-Lampe, Cavitron und eine Instrumentenablage herbeigeschafft. Nur ein Winkelstück für die Politur stand uns leider nicht zur Verfügung.

Die Zahnreinigung sah wie folgt aus:

Entfernung des Zahnsteins mit Cavitron
Entfernung der Konkremente mit Küretten
Putzten der Zähne mit Zahnbürste und Zahnpasta (Proben aus Deutschland – wurden dem Patient geschenkt)
Reinigung der Zwischenräume mit Zahnseide
Fluoridierung mit Elmex Fluid


Natürlich ist eine Zahnreinigung ohne Politur nicht befriedigend, doch wir machten das BESTE daraus, drückten dem Patienten einen Spiegel in die Hand und konnten ihm so am einfachsten die Zahnputztechnik demonstrieren. Viele Patienten leiden, abgesehen von den zahlreichen kariösen Läsionen, unter einer generalisierten chronischen Parodontitis. Trotz der Kosten von 4 Dollar nehmen sehr viele Patienten die Zahnreinigung dankbar an. Leider kommen sie meist nur, weil sie die schwarzen Konkremente, die ihnen schon aus den Zahnfleischtaschen wachsen, stören. Es wird noch viel Aufklärungsarbeit benötigt, um dem Grossteil der Bevölkerung klar zu machen, dass diese Konkremente nicht nur ein optisches Problem sind.


Es spielte sich ein, dass wir vormittags in der Clinica behandelten und am Nachmittag mit den Schwestern in die Dörfer gingen. Diese zu besuchen war nicht immer ein leichtes Unterfangen, dabei waren die Schwestern auch nicht sehr wählerisch. Entweder fuhren wir auf einem Anhänger, der mit Sand gefüllt war mit, ritten auf den Pferden oder gingen einfach zu Fuß über Hängebrücken. Manchmal mussten wir auch über Baumstämme gehen, um das andere Ufer eines Flusses zu erreichen. So gelangten wir in die abgelegensten Orte.

In den Dörfern wurden wir mit großen Augen, aber sehr herzlich empfangen. Meist legten die Kinder schnell die Scheu vor uns ab und begannen in gewohnter Runde zu singen und zu spielen.

Anhand von Plakaten mit kariösen Zähnen und vielen kleinen Bakterien klärten wir die Menschen über die Folgen von fehlender Mundhygiene und falscher Ernährung auf. Danach folgte ein Ratespiel mit Bildern von guten und schlechten Lebensmitteln. Spätestens jetzt legten die letzten Kinder ihre Furcht vor uns ab. Zum Schluss bekam jeder eine Zahnbürste in die Hand gedrückt und nach ein paar Trockenübungen ging es dann mit viel Geschrei an die nächstbeste Wasserstelle, wo dann auch mit Zahnpasta die Zähne anständig geputzt wurden. Selbst bei den Erwachsenden stießen wir auf großes Interesse, und wussten wir mal nicht weiter, so standen uns die Schwestern immer mit Rat und Tat zur Seite. Den Erfolg der Bemühungen bekamen wir sofort durch die große Dankbarkeit zu spüren. Nicht selten baten uns die Bewohner, bald wieder ihr Dorf zu besuchen.

Es war eine sehr interessante und auch für uns lehrreiche Zeit, für die wir uns bei den Missionarinnen aufrichtig bedanken möchten. Wir fühlten uns in der Mission wohl behütet und herzlich aufgenommen und hatten mit dem gesamten Team viele schöne Stunden, die nicht nur mit Arbeit verbracht wurden.

Wäre das nicht auch etwas für Sie? Es wird jede Hilfe gebraucht und dankend angenommen.

Barbara Geisenhof
Dentalhygienikerin und Mitglied im BDDH

carlos
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