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  • Braunschweig (ots) - Die Eröffnung der neuen, durch das internationale christliche Hilfswerk Shelter Now betriebenen Zahnklinik vergangene Woche in Herat ist ein Meilenstein zur Verbesserung der zahnmedizinischen Versorgung im Westen Afghanistans. In dem neuen Gesundheitszentrum sollen jährlich über 5.000 Patienten behandelt werden. Außerdem unterstützt die Klinik die Ausbildung angehender Zahnärzte in Herat durch 10 Behandlungsplätze speziell für Übungen. Weiter sollen 4.000 Schulkinder im Jahr in Mundhygiene unterrichtet und mit einem "Dental-Hygiene-Paket" versorgt werden.

    Bisher praktizieren in ganz Afghanistan 750 Zahnärzte, statistisch weniger als 0,5 für 10.000 Einwohner (Deutschland: 8). Vorsorgeprogramme fehlten weitgehend, so dass viele Menschen unter chronischen Schmerzen litten, berichtet der deutsche Shelter Now-Direktor Udo Stolte: "Die afghanische Regierung will die Anzahl der Zahnärzte binnen fünf Jahren verdoppeln." Daher seien neben der zahnmedizinischen Fakultät in Kabul weitere in Herat und Kunduz mit je 120 Erstsemestern eingerichtet worden. "Mit der Eröffnung der Lehrklinik bieten wir den Herater Studenten praktische Ausbildungsmöglichkeiten", so Stolte.

    Bei dem neuen Projekt kooperiert Shelter Now mit der Universität von Herat und mit den Provinzverwaltungen für Bildung und Öffentliche Gesundheit. Namhafte Persönlichkeiten aus der afghanischen Politik und Wissenschaft erschienen zur Eröffnung der neuen Zahnklinik. Finanziert wird das Projekt nach Angaben von Shelter Now durch das finnische Hilfswerk FIDA, eine private Stiftung in Deutschland sowie weitere private Geldgeber.

    Shelter Now hatte bereits bis 2014 in Herat eine nach europäischen medizinischen und hygienischen Standards arbeitende Zahnklinik aufgebaut und dann an das Provinzkrankenhaus übergeben. In dieser Klinik wurden binnen vier Jahren über 20.000 Patienten behandelt. Arme Menschen, rund die Hälfte der Kranken, erhielten eine fast kostenlose zahnmedizinische Versorgung.

    Shelter Now ist ein internationales Hilfswerk mit Koordinierungsbüro in Deutschland. Seit 1983 ist es in Pakistan und seit 1988 in Afghanistan tätig. Der Name der Organisation in Deutschland lautet "Shelter Now Germany e.V.". Shelter Now finanziert seine Hilfsaktionen zu einem großen Teil aus privaten Spenden. Die effiziente und projektbezogene Verwendung der Mittel wird Shelter Now durch das Deutsche Zentralinstitut für Soziale Fragen (DZI) mit dem Spendensiegel bescheinigt.

    Spendenkonto: Norddeutsche Landesbank, IBAN DE65 2505 0000 0002 5230 58

    Pressekontakt:

    Shelter Now Germany e.V., 0531/88 53 95-9, info@shelter.de,
    www.shelter.de

    http://www.presseportal.de/pm/60024/3223631

  • Thema von carlos im Forum Afghanistan

    BRAUNSCHWEIG / HERAT. Im westafghanischen Herat hat das internationale christliche Hilfswerk Shelter Now vor Kurzem eine Zahnklinik in Betrieb genommen. Diese stelle einen Meilenstein zur Verbesserung der zahnmedizinischen Versorgung in der Region dar.

    In dem neuen Gesundheitszentrum sollen jährlich über 5000 Patienten behandelt werden. Außerdem unterstütze die Klinik die Ausbildung angehender Zahnärzte in Herat durch zehn Behandlungsplätze speziell für Übungen.

    Weiter sollen 4000 Schulkinder im Jahr in Mundhygiene unterrichtet und mit einem "Dental-Hygiene-Paket" versorgt werden.

    Bisher praktizieren laut Shelter Now in ganz Afghanistan 750 Zahnärzte, statistisch weniger als 0,5 für 10.000 Einwohner (Deutschland: 8). Vorsorgeprogramme fehlten weitgehend, so dass viele Menschen unter chronischen Schmerzen litten. "Die afghanische Regierung will die Anzahl der Zahnärzte binnen fünf Jahren verdoppeln", berichtet der deutsche Shelter Now-Direktor Udo Stolte.

    Daher seien neben der zahnmedizinischen Fakultät in Kabul weitere in Herat und Kunduz mit je 120 Erstsemestern eingerichtet worden. Bei dem neuen Projekt kooperiert Shelter Now mit der Universität von Herat und mit den Provinzverwaltungen für Bildung und Öffentliche Gesundheit.

    Finanziert werde das Projekt durch das finnische Hilfswerk FIDA, eine private Stiftung in Deutschland sowie weitere private Geldgeber. (maw)

  • Thema von carlos im Forum Tansania

    Der Wesselinger Axel Roschker hilft den Maasai mitten in der afrikanischen Wildnis. Der Oralchirurg reist einmal im Jahr nach Tansania. Neben der beeindruckenden Natur- und Tierwelt ist Roschker von den Menschen hier sehr berührt

    Er ist ein Zahnarzt zwischen den Welten. Denn wenn der Oralchirurg Axel Roschker mit Praxis in Wesseling einmal im Jahr für die Wildnis seinen Koffer packt, fliegt er nicht als Tourist nach Afrika. Zusammen mit einem Kollegenteam kümmert er sich um Zahnerkrankungen der Maasai. Die Volksgruppe, die man hierzulande vor allem mit bunten Gewändern und farbenfrohen Schmuck verbindet, ist in der Serengeti in Tansania und in den weiten Ebenen im Süden Kenias beheimatet. Seit Generationen leben sie halbnomadisch. Dabei bildet der Serengeti-Nationalpark eines der größten aktiven Ökosysteme von Säugetieren. Dazu gehören Elefanten, Giraffen, Löwen ebenso wie Gnus, Zebras, Büffel oder Antilopen.

    Neben der beeindruckenden Natur- und Tierwelt ist Roschker von den Menschen hier sehr berührt. „Meistens verständigen wir uns mit Blicken, Händen und Füßen“, sagt der 50-Jährige. „Selbst wenn die Maasai nach traditionellen Riten leben, haben hier leider Zivilisationskrankheiten Einzug gehalten. Im Dorfkiosk gibt es süßen Sachen, aber keine Zahncreme. So entsteht Karies.“

    Die „Daktari“ (Suaheli für Doktor) sind mit ihrer mobilen Praxis in dem 5000 Einwohner zählenden Dorf Ololosokwan in Norden Tansanias seit einigen Jahren willkommen. Viele Familienverbände nehmen lange Tagesmärsche auf sich, um sich hier behandeln zu lassen. Inzwischen kommen auch Schulklassen.

    Denn es hatte sich unter den Maasai schnell herumgesprochen, dass sie hier ihre „Keme“, ihre „Schmerzen“ loswerden können. Oft bis in die Abendstunden hinein stehen Kariesbehandlungen, Extraktionen von Wurzelresten, Weisheits – und Milchzähnen auf dem Plan. Solche Eingriffe haben Maasai bis dahin selbst mit Buschmesser und ohne Anästhesie gemacht.
    Auch das gehört zum Hilfsprojekt: Die Maasai lernen Zähneputzen.

    „Verwundert hat uns anfangs, dass bei Patienten häufig die mittleren Frontzähne fehlten. Die Maasai entfernen sie, um im Notfall bei Erkrankungen sich flüssig zu ernähren, und auch aus ästhetischen Gründen“, berichtet Roschker.

    Begonnen hat das Hilfsprojekt „Daktari für Maasai“, als Martin Jörgens, ein Freund Roschkers und Düsseldorfer Zahnarzt 2010 in Ololosokwan eine Gebäude entdeckte, das ausgebaut werden sollte, um die Bevölkerung medizinisch zu behandeln. Die Klinik war eine Stiftungsgründung des Reiseunternehmens „andBeyond“ und der gemeinnützigen Organisation „Africafoundation“.

    Sofort dachte Jörgens mit seiner jahrelangen Erfahrung als mobiler „Rallye-Zahnarzt“ daran zu helfen. Er holte ein Jahr später zwei weitere Kollegen und im Jahr 2012 den Wesselinger mit ins Boot. „Ich musste nicht lange überlegen. Denn schon während meiner Studienzeit hatte ich daran gedacht, ein dentales Projekt in Afrika zu machen“, betont er.

    Zum Team gehören zudem seit zwei Jahren zwei Spanier. Denn die Universität Sevilla unterstützt das Projekt und nutzt es für die Ausbildung von Oralchirurgen.

    Der Enthusiasmus ließ die Ärzte schnell mit Hitze, Tsetsefliegen, Moskitos und anderen Insekten klar kommen. „Im Dorf gibt es keinen Strom und kein fließendes Wasser. Wir haben anfänglich viel improvisiert, einen Generator besorgt. Ein alter Bürosessel diente als zweiter Behandlungsstuhl. Behandelt wurde auch draußen in Zelten“, erzählt Roschker.
    Auch die Herde einer Maasai-Gruppe lernte Axel Roschker kennen.

    Mit Unterstützung des Medikamentenhilfswerks Medeor haben die Zahnmediziner ihre „Daktari“-Station nach und nach ausgebaut. Neue, moderne Behandlungsstühle gehören zur Ausstattung, chirurgische Absaugpumpen, ein mobiler Laser, ein mobiles digitales Kleinbildröntgengerät, OP-Leuchten und umfangreiches Instrumentarium.

    „So konnten wir auch Frontzahnfüllungen legen, um sowohl kariöse Zähne zu behandeln und auch bei schwerwiegender Fluorose das Aussehen verbessern.“ Hilfe gibt es zudem bei Abszessen und Brandwunden.

    „Das alles würde ohne Partner nicht funktionieren“, sagt der deutsche Helfer. So hilft Condor mit einigen Hundert Kilo Freigepäck. Die südafrikanische Gruppe andBeyond, die in Tansania Lodges betreibt, ist ein aktiver Unterstützer vor Ort. Denn inzwischen umfasst die Route der Ärzte drei Behandlungsstationen. Wenn sie meist im September des Jahres für einige Wochen in Arusha ankommen, geht es zuerst zum Lake Manyara, dann ins Camp Grumeti am Ngorongoro-Krater und schließlich weiter quer durch die Serengeti nach Ololosokwan. Dort haben sich die engagierten Mediziner auf die Fahnen geschrieben, langfristig die kleine Klinik mit wechselnden Zahnärzten zu besetzen.

    Für Unterstützungswillige hat die Organisation Medeor ein Stiftungskonto „Daktari for Maasai“ eingerichtet. Hier kann zielgerichtet gespendet werden. Dieses Geld wird nur für die Anschaffung von Medikamenten und zahnmedizinischem Equipment verwendet.

    www.medeor.de

  • Thema von carlos im Forum Indien

    Statt seinen verdienten Urlaub am Strand zu genießen, wird Dr. Gerhard Kanne nicht müde, Jahr für Jahr als Zahnarzt auf eigene Kosten um die Welt zu reisen und Kindern in Entwicklungsländern zu helfen. Seit 2007 hat der 52-Jährige, der seine Praxis in Twistringen hat, mehrfach Südindien besucht – vor kurzem erneut, in fünf Wochen drei Hilfsprojekte. Diesmal unterrichtet er rund 2400 Jungen und Mädchen von 4 bis 17 Jahren in Mundhygiene, behandelt auch kariöse Zähne.

    „Mundhygiene-Erziehung und zahnärztliche Hilfe werden in Indien sträflich vernachlässigt, die Zustände sind für unsere Begriffe zum Teil katastrophal“, so Kanne über das Grundproblem. Traditionell beginne die Körperpflege morgens nach dem Aufstehen, die Zähne würden zumeist nur mit Fingern oder Stöckchen gesäubert. Vor allem Männer machen es draußen, an der Straße. Zähneputzen nach den Mahlzeiten? Fehlanzeige. Zahnvorsorge und Pflege sei (fast) kein Thema in der Bevölkerung. Den Menschen fehle das Bewusstsein dafür.

    Allerdings: Wo Dr. Kanne im Bundesstaat Kerala schon aufgeklärt hat, „hat das deutlich nachgelassen. Da wissen alle, dass die Zahnbürste notwendig ist“. Und wo es richtig laufe, da seien die „Keimzellen der fortschrittlichen Mundhygiene“. Darauf ist der Doktor stolz, der im 70 Kilogramm schweren Koffer wenig eigene Kleidung, dafür aber reichlich medizinische Instrumente für ein Projekt in Nazareth mitgebracht hat. Auch zwei Gebiss-Modelle, dank einer spontanen Spende eines Patienten aus Twistringen

    „Es ist immer wieder ein Abenteuer“, erzählt der 52-Jährige, der schon daran denkt, ein neues Projekt im Norden Indiens zu unterstützen. Zum ersten Mal, gibt er zu, sei es auch Stress gewesen, er sei nicht wie sonst erholt nach Hause gekommen. „Das war diesmal kein Urlaub.“

    Fortschritte freuen ihn, wenn präventiver systematischer Mundhygiene- und Prophylaxeunterricht in Kinderheimen und Schulen Früchte trägt, wenn Zahnbürsten in Stoffbahnen an der Wand hängen und dreimal am Tag nach Plan geputzt wird. Ob in Codacal oder Madurai – Zahnpflege ist dort heute fester Bestandteil des Schul- oder Heim-Alltags. In Nazareth hat der Twistringer Mediziner ein Hilfsprojekt wieder beleben können.

    Mehreren hundert Kindern gleichzeitig versucht Kanne seine Botschaft rüberzubringen: regelmäßig und richtig Zähne putzen. „Als würde ich einen Stein ins Wasser fallen lassen, der immer weitere Wellen schlägt und größere Kreise zieht“, so erziele er kleine und größere Erfolge. Allerdings: „Entwicklungshilfe funktioniert nur, wenn wir direkt vor Ort sind.“

    Wie Prävention und Mundhygiene in ihrer früheren Kita in Oldenburg funktioniert (Zähneputzen nach dem Frühstück), erzählt Kannes Tochter Natalie (17) auf Englisch. „Da ist sofort Ruhe“, so der Mediziner zufrieden. Natalie ist zum zweiten Mal in Indien, hilft insbesondere beim Unterricht mit einem überdimensionalen Gebiss. Die 17-Jährige, die sich auf ihr Abitur vorbereitet, strebt ein soziales Jahr in einer Klinik an, am liebsten in Paris.

    Ebenfalls erneut eine große Unterstützung für Gerhard Kanne ist Kollegin Juliane Lescher aus Paderborn, Enkelin einer langjährigen Patientin aus Twistringen. Neben Zahnkontrollen und Behandlungen erklären die Zahnärzte, wie man mit Zahnseide umgeht. Kanne: „Die gibt es in Indien in jeder Apotheke für einen Euro, aber die meisten wissen nicht mal, was Dentalfloss ist.“

    Schließlich besucht der 52-jährige ein auf Spenden angewiesenes Lepra-Krankenhaus im Dorf Peikulam. Zahlen über diese „Armenkrankheit“ würde der Staat nicht veröffentlichen, erfährt Kanne. Jeden Tag gebe es rund 90 Neuerkrankungen. Von ihren Familien verstoßen, bleiben viele bis zum Lebensende.

    In den ersten Jahren für die Kindernothilfe Duisburg und den Verein „Zahnärzte für Indien“ vor Ort, ist Gerhard Kanne seit zwei Jahren für die Nachfolgeorganisation German Dental Carehood International (DGCI), Deutsche Zahnärztliche Fürsorge, unterwegs.

    Auf die Reise nach Indien freut sich der Oldenburger Dr. Kanne immer ganz besonders. Er hat dort mehrere Patenkinder: die inzwischen verheiratete Cheila (27) aus Madurai, die ihn „Vater“ und seine Tochter Nathalie „Schwester“ nennt. Außerdem gibt es Sujeesha aus Codacal sowie Christy und Thebora aus Madurai. Sheila hat inzwischen ein eigenes Kind. Nun ist ihr deutscher Papa auch der „Tata“ (Opa).

  • Thema von carlos im Forum Tansania

    Wie kann ein Zahnarzt aus Lörrach mittellosen Menschen in Tansania helfen? Mit einer cleveren Idee: Er sammelt das alte Zahngold seiner Patienten, verkauft es an die Goldindustrie und spendet das erlöste Geld an eine Zahnstation im Südwesten Tansanias. Zahnarzt Hans-Jürgen Weh unterstützt diese Station bereits seit 15 Jahren. Jetzt war es für ihn an der Zeit, selbst nach Afrika zu reisen und zu schauen, wohin seine Spenden fließen.
    "Ich sage meinen Patienten, dass sie ihr Zahngold für die Zahnstation in Tansania spenden können", erzählt Hans-Jürgen Weh. Über diese informiere er im Wartezimmer seiner Praxis mittels einer Powerpoint-Präsentation. "Der Preis für eine Krone ist ganz unterschiedlich, das kommt auf die Legierungsart an. Er kann zwischen ein paar Euro und bis zu zirka 30 Euro liegen", sagt er. Viele Patienten würden sich dann für die Spende entscheiden. "Ein Altgoldankäufer nimmt das Zahngold aus der Praxis mit, bringt es zur Scheideanstalt nach Pforzheim und verkauft es an die Goldindustrie", erklärt er. In den vergangenen zwei bis drei Jahren hat der Zahnarzt so 8000 Euro Spendengeld eingenommen.



    Zusätzlich ist Hans-Jürgen Weh an Dentalfirmen herangetreten und hat diese um Sachspenden für die Zahnstation in Tansania gebeten. Seit Februar diesen Jahres hat er dadurch zusätzlich Spenden im Wert von mehr als 12 000 Euro gesammelt. "Hauptsächlich Zähne und chirurgisches Zubehör", sagt er. Nach und nach wurden und werden sie kartonweise nach Tansania verschickt.

    Im Mai hat der Zahnarzt schließlich seine Praxis in der Basler Straße für zehn Tage geschlossen und sich selbst auf den Weg nach Afrika gemacht. Sein Ziel war das Kloster der Missionsbenediktinerinnen in der Stadt Peramiho. Dort betreiben sie ein Hospital mit der erwähnten Zahnstation. Diese wurde von der deutschen Schwester und Zahnärztin Maria Goretti, 81 Jahre, gegründet, die dort noch immer praktiziere. Die Hälfte der 8000 Euro Spendengeld aus dem Zahngold wurde in Arbeitsmaterialien für die Zahnstation investiert, die andere Hälfte in den Bau einer Übernachtungsmöglichkeit für Schüler in Tansania.

    Mangel an dauerhaftem Strom und Hygiene

    "Nach der Ankunft im Grenzgebiet zu Mosambik und Malawi wurde schnell klar, Zahnbehandlungen, wie sie in Europa bekannt sind, sind hier nicht durchführbar", erzählt Hans-Jürgen Weh von seiner Reise. Grundlegende Voraussetzungen wie dauerhafter Strom oder hohe hygienische Standards haben in Tansania nicht oberste Priorität. Das Kloster betreibt neben der Zahnstation in Peramiho auch mehrere Außenstationen, in denen Hans-Jürgen Weh während seines Aufenthaltes mitarbeitete und die dortigen Zahnärzte mit seinem Rat unterstützte.

    Die Menschen in Tansania habe er als unglaublich freundlich und offen empfunden. "Immer steht ein – wenn auch oft zahnarmes – Lächeln in ihren Gesichtern", sagt Weh. Nach mehr als 120 Jahren Missionarstätigkeit sei der Bildungsstandard der Regionen rund um die Klosterbereiche überdurchschnittlich gut. "Trotzdem braucht das Land noch viel Hilfe von außerhalb, um den Weg in eine funktionierende Wirtschaft zu finden." Hans-Jürgen Weh will auf jeden Fall ein zweites Mal in das ostafrikanische Land reisen und helfen. "Wenn man einmal Feuer gefangen hat, kann man nicht mehr loslassen."

  • von Lörrach nach AfrikaDatum26.12.2015 12:04
    Foren-Beitrag von carlos im Thema von Lörrach nach Afrika
  • von Lörrach nach AfrikaDatum26.12.2015 12:04
    Thema von carlos im Forum Tansania

    Medikamente, viele Zangen und andere Dentalwerkzeuge werden derzeit in 16 Kartons von Lörrach nach Afrika transportiert. Zahnarzt Hans-Jürgen Weh hat sie aus einer aufgelösten Praxis erhalten und möchte damit vor Ort die zahnärztliche Versorgung verbessern. In Baden-Württemberg kommt durchschnittlich ein Zahnarzt auf rund 1250 Menschen. In Tansania kümmern sich hingegen gerade einmal rund 100 ausgebildete Mediziner um die Zähne von 50 Millionen Einwohnern, wie Weh erzählt. Er ist schon lange in einem inzwischen weltumspannenden, zahnärztlichen Netzwerk unter deutscher Federführung aktiv und engagiert sich seit 1997 in dem afrikanischen Land. Zuletzt hat er 2013 in seinem Urlaub zwei Wochen lang auf der zahnärztlichen Station im 1898 vom Orden der Missionsbenediktiner gegründeten Kloster Peramiho gearbeitet, lokale Kollegen ausgebildet und Sachspenden überreicht.

    Doch die Spende, die er kürzlich über die Kontakte des Ärzte-Netzwerks erhalten hat, lässt sich nicht so einfach im Handgepäck transportieren wie beim letzten Mal. Ein Kollege aus der Nähe von Stuttgart hat seine Praxis aus Altersgründen aufgegeben und keinen Nachfolger gefunden, darum spendete er sein gesamtes zahnärztliches Inventar für einen guten Zweck.

    „Der nette Herr wollte einfach nur einen Spendenquittung“, berichtet Weh. Im Gegenzug für die Bescheinigung durfte er umfangreiches Material in bestem Zustand mit nach Lörrach nehmen. Der Neubeschaffungswert liegt im mittleren fünfstelligen Bereich, schätzt Weh.

    Dazu gehörten beispielsweise rund 70 Zangen und Laborgeräte wie Artikulatoren zur Simulation der Kiefergelenksbewegung. „Die Sachen sind teilweise extrem wertvoll und werden dringend gebraucht“, erklärt Weh. Denn die Ärzte vor Ort arbeiten laut Weh mit einfachsten Mitteln. Regelmäßig falle beispielsweise der Strom aus, Röntgengeräte oder ein elektrischer Behandlungsstuhl seien darum kaum nutzbar. Die schnelle und kostengünstige Behandlung von Zahnschmerzen stehe im Mittelpunkt, und dafür brauche es vor allem „wartungsarme“ Instrumente.

    Behandlungsspektrum ist stark beschränkt

    Das zahnmedizinische Niveau in Tansania sei „für afrikanische Verhältnisse inzwischen sehr gut“, erklärt Weh. „Es ist jedoch natürlich nicht mit dem in Europa vergleichbar – das Behandlungsspektrum ist stark beschränkt.“ Wurzelkanalbehandlungen oder andere komplexere Eingriffe gehören nicht zum Standard. „Es gibt zwar Praxen auf westlichem Level, diese sind aber für 99 Prozent der Bevölkerung nicht zugänglich“, erzählt Weh.

    Noch deutlich schlechter sieht es in den Nachbarstaaten Ruanda und Uganda aus. „Dort können wir mit den Spenden viel Gutes tun“, erklärt Weh. Im Februar wird er für zwei Wochen in die beiden Länder reisen, um auch dort die zahnmedizinische Entwicklungshilfe zu unterstützen. In Ruanda plant das Netzwerk, das auch in Südamerika und im Nahen Osten aktiv ist, eine Ausbildungsstätte für Zahnmediziner. Anschließend besucht Hans-Jürgen Weh auch noch das Kloster Peramiho.

    Bis dahin sollten auch die 16 Pakete mit einem Gesamtgewicht von rund 180 Kilogramm angekommen sein, hofft Weh, die er kürzlich bei der Lörracher Post für ein Porto von knapp 700 Euro aufgegeben hat: „Wir haben in den Vergangenheit die Erfahrung gemacht, dass fast alle Pakete ankommen, aber es meistens rund ein Vierteljahr dauert – nie aber unter acht Wochen.“

  • Deutscher FamulantenaustauschDatum26.12.2015 12:02
    Foren-Beitrag von carlos im Thema Deutscher Famulantenaustausch
  • Deutscher FamulantenaustauschDatum26.12.2015 12:02
    Thema von carlos im Forum Deutschland

    Austausch

    Internationaler Austausch, neue Menschen und Kulturen kennen lernen! In einer stark globalisierten Welt muss sich auch das Gesundheitswesen solchen Erfahrungen öffnen. Daher engagieren sich Medizinstudierende in Deutschland schon seit Jahrzehnten in der bvmd und ihren Vorgängervereinen, um ihren Kommilitonen Auslandserfahrungen in der ganzen Welt zu ermöglichen. Wir sind der festen Überzeugung, dass uns diese Erfahrungen zu besseren Menschen und zu besseren Ärzten machen.

    Die bvmd bietet das größte von Studierenden organisierte Austauschprogramm in Deutschland. Jährlich ermöglichen wir fast 400 deutschen Medizinstudierenden einen Auslandsaufenthalt und betreuen noch einmal genauso viele ausländische Kommilitonen in Deutschland. Dies alles ist nur möglich dank des großartigen Engagements unserer LEOs und LOREs in den Lokalvertretungen.

    Wenn ihr Interesse an kulturellem, wissenschaftlichem, medizinischem und persönlichem Austausch habt, ist unser Programm genau das Richtige für euch! Sei es ein eigener Auslandsaufenthalt in einem von unseren 100 Partnerländern oder die Betreuung von ausländischen Studierenden in eurer eigenen Lokalvertretung: Das Austauschprogramm der bvmd bietet für jeden etwas!

    Famulantenaustausch

    neo@bvmd.de

    Forschungsaustausch

    nore@bvmd.de

    Exchange-Assistants

    exchange-assistant@bvmd.de

  • Thema von carlos im Forum Deutschland

    Irritationen über Lichtenauer Zahnarzt / Unterlassene Hilfeleistung oder Körperverletzung bei ungültiger Aufklärung der Patienten mit Sprachbarrieren

    http://www.nw.de/lokal/kreis_paderborn/l...icht-hilft.html

  • Laenderkontakte.de Datum06.12.2015 21:17
    Thema von carlos im Forum Länderkontakte

    Laenderkontakte.de – Verzeichnis der deutsch-internationalen Beziehungen
    Das große Verzeichnis mit etwa 40.000 Kontaktstellen deutscher und ausländischer Vertretungen, Verbindungsbüros und Informationsstellen aus den Bereichen Politik, Aussenwirtschaft und Banken, Kulturaustausch, Bildung, Medien, Entwicklungszusammenarbeit, humanitärer Hilfe, Menschenrechte, Wissenschaft und Forschung, Tourismus, Umwelt-, Natur- und Artenschutz und vieles mehr.


    http://www.laenderkontakte.de/

  • Thema von carlos im Forum Seychellen

    Das Verzeichnis Laenderkontakte.de bietet �ber 35.000 Adressen und Kontaktinformationen zu Institutionen in aller Welt.
    Kontaktdetails:
    Verein zur Unterstützung der Zahnmedizinischen Versorgung in der Dritten Welt e.V.
    Markt 10
    21509 Glinde
    Tel: 040-7964102
    Fax: 040-7922076
    (finanzielle und personelle Unterstützung eines zahnärztlichen Entwicklungsprojektes auf den Seychellen; Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen für zahnärztliches Hilfspersonal)
    Die oben stehenden Kontaktdaten sind folgenden Gruppierungen zugeordnet:
    Land: Seychellen
    Rubrik: Entwicklungszusammenarbeit / humanitäre Hilfe

    http://www.laenderkontakte.de/adresse-61975-infos.htm

  • Volunteer-Einsatz Philippinen Datum06.12.2015 21:12
    Thema von carlos im Forum Philippinen

    Nachdem ich mein Staatsexamen abgeschlossen hatte, entwickelte sich schnell der Wunsch, vor dem Berufseinstieg noch einen zahnärztlichen Aufenthalt im Ausland absolvieren zu wollen.

    Nachdem ich etwas recherchierte war schnell klar, dass der zahnärztliche Austauschdienst für meine Pläne der richtige Ansprechpartner war und so begann ich, mich auf dessen Internetpräsenz zu informieren und Erfahrungsberichte zu lesen.

    Ich kontaktierte daraufhin einen ehemaligen Famulanten, um Einzelheiten über seinen Einsatz zu erfahren und er empfahl mir einen anderen, als den beim ZAD erwähnten Einsatzort.
    Er schwärmte von seiner zweiten Famulatur, die er nach seinem Examen unabhängig vom ZAD gemacht hatte, weshalb es zu dieser online keinen Bericht gab.
    Nach seinen Erzählungen zu seinem Aufenthalt auf den Philippinen war ich sofort begeistert.
    Im Vergleich zu anderen Famulaturerfahrungen, von denen ich gehört hatte, schien diese nicht gelistete, zufällig entdeckte Möglichkeit alle positiven Aspekte in Einem zu vereinen und ein echter Geheimtipp zu sein.

    Ich setzte mich direkt mit der genannten Kontaktperson in Verbindung und erhielt zu meiner riesigen Freude sehr schnell eine Zusage für den von mir gewünschten Zeitraum.
    Ich erfuhr, dass die deutsche Krankenschwester Sabine 2008 auf den Philippinen ein Hilfsprojekt gestartet hatte, das fortan stetig beeindruckend größer und größer geworden war.
    Sie leitet nun mit der Filipina Veronica, die wie sie Ordensschwester ist das Mabuhay St.-Francis of Assisi Primary Health Care Program in einer komplett vom Tourismus unerschlossenen, dörflichen Gegend des Landes und freut sich immer über helfende Hände von Medizinern und Zahnmedizinern.
    Dabei betreut sie 4 Tage die Woche alle medizinischen Fälle, mit denen Patienten bei ihr Rat suchen, im Durchschnitt etwa 70 pro Tag!

    Hier in Deutschland plante ich also alles für meine Reise.
    Für die großzügige Menge an verschiedensten Dentalspenden, die ich auf Nachfrage erhalten habe bin ich der Karl-Hammacher GmbH, der Ivoclar Vivadent GmbH, der Henry Schein Services GmbH, der 3M ESPE AG, der Dentsply DeTrey GmbH, der Coltene/ Whaledent GmbH + Co. KG, der Dr. Jean Bausch KG, der lege artis Pharma GmbH + Co. KG, der Voco GmbH, der frasaco GmbH und der Müller & Weygandt GmbH (MW dental) zu großem Dank verpflichtet!!

    Endlich auf den Philippinen angekommen, holte mich Sabine vom Flughafen der 30km von der Station entfernt liegenden Stadt früh morgens ab.
    Der Tag begann dann nach einem gemütlichen Frühstück direkt mit einer Kreuz-&Quer Tour durch verschiedene Haushalte, da an meinem Ankunftstag die ‚Fiesta‘ einer der angrenzenden Gemeinden war, ein jährlicher Feiertag, der für jede Ortschaft an einem anderen Datum liegt und jedes Mal eine Riesensause ist :)!
    Völlig selig von all den Köstlichkeiten und der Herzlichkeit der Einheimischen bin ich dann nach der langen Reise auch erstmal in einen 16h andauernden Schlaf gefallen.


    Als ich am nächsten Tag die zahnärztlichen zwei Behandlungsräume genauer in Augenschein nahm und die Spenden einsortierte, habe ich mit Überraschen festgestellt, wie gut die Ausstattung vor Ort war! Es fehlte an so gut wie keinen Materialien, die Stühle hatten soweit keine fehlenden Funktionen und der Behandlungsraum hatte sogar eine Klimaanlage!
    Voller Tatendrang erwartete ich also den nächsten Tag, einen Montag, an dem ich starte konnte. Dass eine deutsche Zahnärztin zu Besuch war, die ihre Dienste anbietet wurde nämlich bereits im Vorfeld über den Buschfunk verbreitet.
    Die Behandlung der kommenden Wochen war dann Gold wert! Das Hauptaufgabengebiet bestand neben jede Menge Extraktionen vor allem aus Kompositfüllungen der Front- und Seitenzähne (fast ausschließlich okklusal). Unglaublich interessant waren vor allem aber auch all die Zahnanomalien, die man fleißig fürs Examen auswendig gelernt hatte und von denen man nun tatsächlich viele klinisch entdecken konnte, seien es jegliche überzählige Zähne, Zapfenzähne der OK Front, Form- und Zahnhartsubstanzanomalien oder enorme Fehlstellungen.
    Dienstag und Donnerstag ist immer eine Zahnärztin aus der Region vor Ort, die jedoch nur Extraktionen vornimmt und daher liebevoll Dr. Pull genannt wird :). Da sie auf ihrem Gebiet einsame Spitze war, konnte man sie stets um Rat fragen und einmal kam es auch vor, dass ein Patient, dessen Zahn ich partout nicht entfernen konnte zu ihren ‚Sprechzeiten‘ wiederkommen musste (sie hat ihn tatsächlich auch nicht entfernen können ;).)
    Ansonsten ist das Erfolgskonzept ganz einfach: learning by doing! Ich war positiv überrascht, wie schnell sich das eigene Geschick verbessert und was für tief abgebrochene Wurzelreste ich am Ende rausbekommen habe, deren Entfernung mich anfangs total überfordert hatte.
    Für die Extraktionen stehen nämlich lediglich manuelle Hilfsmittel wie Heidemann, Hebel, Zangen und Krallen (dafür gibt es hiervon eine riesige Auswahl!) zur Verfügung, es ist jedoch nicht üblich, Knochen mit einer Fräse zu entfernen, oder den Zahn maschinell zu trennen, wie es in Deutschland bei hartnäckigen Zähnen der Fall wäre.
    Genäht wird generell nicht, die Patienten erhalten nach der Extraktion stets eine antibiotische Abschirmung, deren Dosis gegebenenfalls (etwa bei einer MAV) verdoppelt wird.

    Das Schockierendste waren wohl die Gebisszustände der Kinder- und Jugendlichen. Ihre Behandlung gestaltete sich besonders schwierig, da sie meist kamen, wenn es bereits zu spät war und der Zahn nicht mehr gerettet werden konnte. Dementsprechend waren auch die bisherigen Zahnarzterlebnisse und die darin begründet liegende Behandlungsangst der meisten Kinder.
    Die Hauptgründe des Kommens der Patienten waren neben Zahnschmerz die Wünsche nach Frontzahnfüllungen und prophylaktischer Entfernung von Wurzelresten.
    Leider galt jedoch auch bei ersterem, dass die Defekte meist schon sehr tief sind, wenn es die Patienten ästhetisch stört und sie sich so schließlich zur Restauration entscheiden. Zum Teil war es wegen der fehlenden Möglichkeit einer endodontischen Behandlung dann angezeigt den Zahn nach einer Eröffnung der Pulpa im stark Kariösen direkt entfernen zu müssen.
    Besser zu retten waren die Zähne, auf deren Läsionen man die Patienten aufmerksam machte, wenn sie eigentlich aus einem anderen Grund zur Behandlung gekommen waren.
    Viele kamen auch bereitwillig wieder, sodass ich zum Beispiel bei einem 13jährigen Patienten in mehreren Sitzungen insgesamt 14 Füllungen gemacht habe. Danach war sein Gebiss komplett kariesfrei und ich hoffe er hat durch all das Mundoffenhalten seine Lektion gelernt ;).
    Ich behandelte wie Sabine immer Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag, solange, wie Patienten im Wartezimmer waren. Das hieß mal bis 13 Uhr und mal bis 19Uhr.
    Mittwochs kamen zusätzlich meist noch Freunde und Bekannte zur Behandlung.

    Die größten Herausforderungen waren ganz klar zum einen die erschwerte Diagnostik (es gab weder die Möglichkeit zu Röntgen, noch Kältespray) sowie zum anderen die Behandlung ohne Kofferdam oder Fäden und zum Teil ohne Assistenz.
    Es sind zwar fast immer Volunteerhelferinnen vor Ort, die trotz einiger angeeigneter Vokabeln für die Übersetzung der Patientengespräche unerlässlich sind, diese übernehmen jedoch verschiedene Aufgabenbereiche, sodass sie nicht immer Zeit haben. Die Ladies sind zwar natürlich nicht geschult, dafür aber unglaublich liebenswürdig und bemüht! :)
    Außerdem hatten die Behandlungsstühle so ihre Tücken, alles kein Drama, aber für uns deutsche doch eine kleine Geduldprobe ;).
    Auf jeden Fall das perfekte Bootcamp, sodass die Behandlung mit der deutschen Technik und sämtlichen Hilfsmitteln jetzt wie ein Klacks laufen müsste ;).
    Die Patienten waren dagegen wohl im Vergleich zu vielen Deutschen ein Segen. Sie kamen von weit her, geduldeten sich ewig im Wartezimmer und trauten sich kaum, irgendetwas an der Behandlungsart auszusetzen, sei es nur zuzugeben, dass die Füllung noch ein Stück zu hoch ist ;).
    Insgesamt sind die Filipinos unglaublich lebensfrohe, warmherzige und respektvolle Menschen!


    Den Rest der Zeit waren wir von Sabines Freunden viel zum Essen eingeladen, zu einer Hochzeit und zu Geburtstagen. Wo ich auch hinkam wurde ich mit offenen Armen und voller Begeisterung empfangen und die philippinische Bevölkerung ist mir sehr ans Herz gewachsen!
    Außerdem hat Sabine mir immer liebend gern die Gegend rund um die Station gezeigt. In der nächstgrößeren Stadt ist auch alles erhältlich, was man so brauchen könnte. Northern Samar erinnert was Vegetation, Bauart und Verkehr betrifft an andere südostasiatische Länder, wie Thailand, Kambdscha und Vietnam, für Europäer immer wieder ein Erlebnis ;).
    Die ‚Station‘ wie ich sie so häufig betitele besteht aus dem Haupthaus, in dem Sister Sabine und Sister Veronica wohnen, dem Gästehaus, in dem ich mit 2 Schlafzimmern, 2 Badezimmern, einem Wohnzimmer mit Kühlschrank und Spüle und einer riesigen Sonnenterasse luxuriös untergebracht war, einem Laborgebäude, dem Zahnklinikgebäude, das gerade erst fertig gestellt wurde, einem riesigen Obst-&Gemüsegarten und einem Pool. Außerdem gibt es noch kleinere Häuschen, in denen die 3 männlichen Filipinos wohnen, die Sabine&Veronica als fleißige Helferlein allround unterstützen.
    Alles ist sehr stabil gebaut, man fühlt ich sicher, es gibt fließend Wasser und Strom (für die Gegend bei weitem nicht selbstverständlich ;).)
    Man wird als Gast morgens, mittags und abends stets auf höchste Maß befriedigend mit Essen versorgt und es wird sogar die eigene Wäsche gewaschen. Alles in allem wird man also für einen Zeitraum Teil einer kleinen Familie :).

    Wie bereits oben angedeutet, war der Einsatz für mich von großem persönlichem und beruflichem Wert! Alle meine Wünsche und Erwartungen an den Aufenthalt wurden erfüllt.
    Ich kann diese Famulaturstelle nur wärmstens empfehlen! Zum einen, da die zahnmedizische Ausstattung für ein solches Land erstklassig ist und zum anderen, weil man so liebevoll untergebracht ist und fern ab von jeglichem Tourismus in das Einheimischenleben eintauchen kann.

    Bei Fragen oder bei Interesse, Sabines&Veronicas Projekt und somit die Einwohner Nord-Samars unterstützen zu möchten meldet euch gern bei mir, ich stelle dann den Kontakt her!

    Birte.loechelt@gmx.de

  • Famulatur 2015Datum06.12.2015 21:11
    Thema von carlos im Forum Kambodscha

    Anfang September starteten wir unsere fünfwöchige Famulatur in Phnom Penh bei der Cambodia World Family (CWF), nachdem wir uns vorher noch zwei Wochen das Nachbarland Thailand angeschaut hatten.
    An unserem ersten Tag in der Klinik lernten wir zunächst unsere stets hilfsbereiten Helferinnen, den Zahnarzt und noch drei andere deutsche Freiwillige kennen, mit denen wir uns in der ersten Woche die vier Einheiten in der Klinik teilten. Dort haben wir uns auch sehr gefreut, dass unser Paket mit den Spenden bereits angekommen war und auch schon rege im Gebrauch war.
    Dann hieß es als erstes die neue Dienstkleidung (Kasak und Hose wurden gestellt) anprobieren und dann auch rein ins Vergnügen! Nach einer ersten Runde zuschauen wie die Einheit funktioniert und der Behandlungsablauf war, ging es dann auch sofort selber ans Werk.


    Natürlich am Anfang erstmal eine Umstellung, neue Einheit und klar ein ganz anderes Behandeln als es in der deutschen Uni der Fall ist, viel mehr eigene Entscheidungen und Verantwortung und die Anzahl der Patienten ist auch deutlich höher als an einem normalen Unikurstag.
    Da wir eigentlich hauptsächlich nur Kinder im Alter von teilweise drei Jahren bis 14 Jahren behandelt haben und diese aus Waisenheimen, Schulen etc. kamen, war nur vormittags Behandlungszeit. Der erste Vormittag ging dann von acht bis zwölf Uhr und war ziemlich schnell vorbei! Dann musste natürlich untereinander erstmal die ganzen neuen Eindrücke vom Vormittag geteilt werden, jeder von uns war begeistert und teilweise auch geschockt von den Gebisszuständen bei den Kindern. Viele der Fälle, die wir dort gesehen haben, werden in Deutschland als Extremfälle bezeichnet, wie zum Beispiel Karies an fast allen Milchzähnen.


    Mittags sind wir in der ersten Woche mit den anderen Freiwilligen und zwei Helferinnen in tolle Restaurant gegangen. So haben wir viele leckere Restaurants kennengelernt, die wir während unseres Aufenthaltes auch noch öfters besucht haben.
    Die nächsten Tage gingen auch schnell rum und wir arbeiteten uns ein, wurden auch schneller und die Zustände im Mund der Kinder konnten uns nicht mehr so schnell schockieren.


    An einem durchschnittlichen Vormittag haben wir zwischen 7 und 14 Kindern behandelt, wobei dort immer nach dem gleichen Prinzip vorgegangen wurde. Zuerst wird behandelt wo es schmerzt, dann wird nach den bleibenden Zähnen geschaut, da sich ja die meisten Patienten mehr oder weniger in der zweiten Wechselgebissphase befanden, und erst dann wurde meistens nach den Milchzähnen geschaut, natürlich abhängig vom Alter. Das war immer wieder auch zum Teil frustrierend, da man natürlich ungern ein Kind am Tag wegschickt, wenn man weiß, dass es eventuell erstmal nicht mehr so schnell wieder kommt (abhängig von der Institution von der es kam) und es aber noch Behandlungsbedarf gibt. Die typischen Aufgaben waren dann konservierender und chirurgischer Natur, es wurden viele Zähne und Wurzelreste gezogen und noch mehr Füllungen und Fissurenversiegelungen gemacht, häufig sogar mit Komposit!

    Endos wurden in 5 Wochen nur drei durchgeführt, sogar mit Einsatz von Endometrie. Ein Röntgengerät ist zwar vorhanden, aus Zeitgründen wird dieses aber eigentlich nie benutzt. Generell ist man überrascht, wie viele Materialien und Werkzeuge vorhanden sind. Im Zweifel hilft einfach nachfragen! Meist kennt man zwar nicht den korrekten englischen Namen, aber irgendwie konnte man sich mit den super netten Helferinnen immer verständigt.


    Die Arbeit mit den Kindern war wegen der Sprachbarriere manchmal nicht ganz einfach, wobei die Grundbegriffe wie Schmerz, Mund auf, Mund zu nach einigen Tagen gingen, aber natürlich keine normale Kommunikation stattfinden konnte. Unsere netten Helferinnen haben aber ganz fleißig alles für uns übersetzt und mit den Kindern immer super geredet und die Kids waren teilweise auch super kooperativ. Sie kommen zu dir auf den Stuhl und sagen: „So der Zahn tut weh, den ziehst du mir jetzt bitte!“ Und das im Alter von sechs Jahren.

    Die Sehenswürdigkeiten in Phnom Penh hatten wir uns dann auf die Nachmittage über die Wochen verteilt, durch die Arbeitszeiten hatten wir da natürlich angenehm viel Zeit zu und die restliche Freizeit kam auch nicht zu kurz. An den Wochenenden haben wir dann die Gelegenheit genutzt das Land näher zu erkunden, Klassiker wie Angkor Wat waren natürlich dabei, in Sihanoukville waren wir auch und besonders zu empfehlen sind die eher ländlicheren und weniger touristischen Stellen wie zum Beispiel Kampot.

    Unser Hostel in Phnom Penh lag in der Nähe des Russian Markets. Dieser Markt ist typisch kambodschanisch. Man kann dort Klamotten, Figuren und Bilder aller Art bekommen. Uns allerdings gefiel dieser Markt besonders gut, weil man dort gut und sehr günstig zu Mittag essen konnte. Vor allem das Lok Cha hat uns sehr gut geschmeckt und für 7000 Riel (1,75$) war man danach auch gut gesättigt.

    In Phnom Penh kann man natürlich auch viele Dinge besichtigen. Zum Beispiel den Königspalast oder verschiedene Museen. Der Wat Phnom ist die wohl bekannteste Stupa von Phnom Penh und stellt ein Teil der Gründungsgeschichte der Stadt dar. In einer Legende soll eine Frau mit dem Namen Penh einen Koki Baum aus dem Fluss gefischt haben, in dem sich vier Budda Statuen befanden. Ihnen zu ehren baute sie einen Hügel (Phnom) mit einem Tempel. Später wurde dann die Umgebung des Tempels Phnom (Hügel) Penh (Name der Gründerin) benannt. Eines der Museen in Phnom Penh „Tuol Sleng“ stellt mit den „Killing Fields“ einen großen Teil der kambodschanischen Vergangenheit dar. Das „Tuol Sleng“ ist das ehemalige Gefängnis S-21 der roten Khmer, was heute an die dort begangenen Verbrechen erinnert. Wir drei haben uns davor noch nicht mit der kambodschanischen Vergangenheit auseinandergesetzt und waren sehr geschockt was dort in den 70ger Jahren passiert war.

    An den Wochenenden haben wir die Zeit genutzt um uns Kambodscha besser anzuschauen. Unser erster Stopp war Siem Reap. Der Weg von Der Hauptstadt nach Siem Reap war sehr speziell. Diese Straße ist die meist befahrenste Straße in ganz Kambodscha und ist nicht ausgebaut. Die ca. 250 km bestehen zur Hälfte aus einem etwas mehr festgefahrenen Feldweg mit Tausenden Schlaglöchern. Wir haben großen Respekt vor unserem Fahrer gehabt, denn der einsetzende Monsun hatte seine Aufgabe auch nicht wirklich einfacher gemacht.

    Siem Reap liegt sehr nah an dem Angkor Komplex. Angkor Wat ist der größte Sakralbau der Welt und stellt ein Weltkulturerbe dar. Insgesamt gibt es auf dem ganzen Komplex 40 Tempel. Sehr schön ist es Angkor Wat bei Sonnenaufgang zu besichtigen. Mit einem TukTuk und einem Guide sind wir dann direkt zu Angkor Wat gefahren. Natürlich waren wir dort nicht die Einzigen, aufgrund der schönen Reflektion durch den Teich direkt vor Angkor Wat. Dort sammelte sich der Großteil der Touristen um ihre Bilder zu machen.

    Einer der beeindruckenden Tempel dieser Art ist sicher Ta Prohm. Wir haben auch ein schönes Gruppenfoto vor der dem berühmten Baum gemacht, an dem auch Tomb Raider mit Angelina Jolie gedreht wurde. Die Wurzeln des Baumes haben den Tempel soweit durchdrungen, dass ein Tempel nicht mehr betretbar ist, da er einsturzgefährdet ist. Es ist schon sehr beeindruckend wie die Natur sich durch die massiven Steine kämpft und langsam alles zerstört.

    Auch haben wir mit dem Fahrrad die Umgebung um Siem Reap angeschaut. Wir hatten das Glück in der Regenzeit dort zu sein, weil so die Reisfelder wunderschön satt grün waren. Zusammen mit dem tollen blauen Himmel und den tiefliegenden Wolken ergibt das ein geniales Gesamtbild. So war alleine schon das Fahrradfahren durch die Reisfelder Entertainment genug. Während der Fahrradtour haben wir auch noch ein paar Dinge über den Reisanbau und die Reisproduktion gelernt, sowie über verschiedene Traditionen der Khmer.

    Unser zweites Wochenende ging es in die Hafenstadt Shianoukville. In Shianoukville gibt es viele Buchten, wobei wir uns für den Otres Beach entschieden haben und es sich auch sehr gelohnt hat. An diesem Strand waren sehr wenig Touristen und wir konnten sehr schön entspannen. Auch sind wir zu den Kbal Chhay Wasserfälle gefahren, die ca. 16 km von der Stadt entfernt liegen. Am Wasserfall angekommen haben wir dann mehrere schöne Wasserfälle gesehen und tatsächlich kaum Menschen, geschweige denn andere Touristen, was doch auch sehr angenehm war.

    An unserem dritten Wochenende haben wir die Stadt Kampot besucht. Kampot ist ein kleines Städtchen kurz vor dem Meer. Mittelpunkt der Stadt ist der Fluss, der die Stadt teilt und eine besonders schöne Atmosphäre entstehen lässt. Nicht nur der Fluss fließt langsam, sondern auch das Leben in Kampot. Hier hat man echt das Gefühl ein bisschen von den Touristenhotspots und der Hektik der Hauptstadt entfernt zu sein. Kampot ist wirklich sehr entspannt!

    Auch ist die Umgebung um Kampot der schön. Zum Beispiel gibt es dort viele Höhlen. In einer Höhle konnte man Tiere in Stein erkennen, die durch das Regenwasser entstanden sind. Elefanten, Schildkröten, Adler, alles da! – Mit etwas Fantasie.

    Kampot ist sehr berühmt für den Pfeffer. Deshalb haben wir uns auch eine Pfefferplantage angeschaut, wobei wir auch etwas über den Anbau des Pfeffers gelernt haben. Man sagt auch Kampotpfeffer ist der Champagner unter den Pfeffern und deshalb hat jeder von uns ein kleines Päckchen als Souvenir mit nach Hause genommen. Sehr schön fanden wir auch den Mount Bokor, der 38 km von Kampot entfernt ist. Mit den Rollern war es eine wunderschöne Fahrt bis nach oben. Und die Aussicht von da oben ist einfach nur klasse.

    Wir sind uns alle einig, dass unser Wochenende in Kampot das schönste war. Nicht nur die vielen Sehenswürdigkeiten, sondern vor allem die wunderschöne Landschaft und das Fehlen der Touristenmassen, haben die zu unserem absoluten Highlight gemacht. Wirklich ein Traum!

    Letztendlich waren wir auch alle ziemlich erstaunt als es auf einmal nach dieser schönen Zeit Ende September war und die Famulatur damit zu Ende war! Viele Eindrücke aus dem Land haben wir mit nach Deutschland genommen und natürlich auch viele Erfahrungen und Eindrücke im zahnmedizinischen Bereich, die vielleicht nicht jeden Tag in der Uni bereichern werden, aber sicherlich für das spätere Zahnarztleben wertvoll sein werden. Es ist also wirklich jedem zu empfehlen, der darüber nachdenkt!

    An dieser Stelle bedanken wir uns noch einmal bei folgenden Firmen für ihre Sachspenden, die mit großer Freude empfangen wurden: Peppler GmbH, Busch, M+W Dental

  • Thema von carlos im Forum Madagaskar

    Ein Famulaturbericht von Nina Sickenberger und Anja Stengele



    Bereits zu Beginn unseres Studiums hatten wir den Wunsch, im klinischen Studienabschnitt eine Famulatur zu absolvieren. Wir informierten uns im Internet über die verschiedenen Möglichkeiten und Organisationen. So wurden wir auf den gemeinnützigen Verein „Dental Volunteers e.V.“ aufmerksam und entschieden uns, gemeinsam mit der 1. Vorsitzenden des Vereins Frau Dr. Agnes Wagner und dem jungen Kölner Zahnarzt Dr. Jörg Slobodda, unsere Famulatur in den Semesterferien nach dem 9. Semester anzutreten.

    Doch wohin soll die Reise gehen? Diese Frage beschäftigte uns eine ganze Weile. Die Entscheidung fiel schließlich auf Madagaskar – die „Rote Insel“ oder da wo der Pfeffer und Vanille wächst …

    Madagaskar ist die viertgrößte Insel der Welt und die größte Insel Afrikas. Sie bezaubert durch eine einzigartige Natur und ist durch ihre spezielle Lage reich an endemischen Tieren und Pflanzen. Es wurden über die letzten Jahrzehnte zahlreiche Nationalparks ausgewiesen, um die dortige Natur zu schützen. Für Tier- und Naturfreunde ist es ein Paradies auf Erden, da es viel zu entdecken gibt.

    Im Vorfeld gab es eine ganze Menge zu organisieren. Wir stellten Kontakte zu verschiedenen lokalen NGOs her, wir schrieben etliche Dentalfirmen an, um mit Materialspenden unterstützt zu werden (hierfür ein großes Dankeschön!), wir ließen uns impfen, informierten uns über Land und Leute, usw. Als alle Vorbereitungen erledigt waren und unser Flugzeug endlich Richtung Madagaskar abhob, waren wir erleichtert, voller Vorfreude und natürlich auch ziemlich aufgeregt vor dem, was uns erwartete.

    Am Flughafen der Hauptstadt mit dem unaussprechlichen Namen Antananarivo (abgekürzt Tana) wurden wir von Madame Omega abgeholt und zu unserem ersten Projekt, dem „SOS Kinderdorf“ gebracht. Auf der Fahrt konnten wir erste Eindrücke vom Leben in Madagaskar sammeln, welches sich eindeutig auf der Straße abspielt. Am Straßenrand folgt ein Verkaufsstand auf den nächsten. Buntes Obst und Gemüse, gebrauchte Kleidung und Schuhe, Handys, Haushaltsgegenstände und Möbel werden zum Verkauf angeboten. Der Verkehr in der Hauptstadt ist katastrophal. Es ist keine Seltenheit, dass man für 15 km Fahrt 3-4 Stunden benötigt, da der Verkehr an vielen Stellen steht oder durch Zebu-Karren, Varambas oder liegengebliebene Autos blockiert wird.



    Im SOS-Kinderdorf screenten wir zunächst die Kinder der angrenzenden Schule. Bei Bedarf behandelten wir diese und das Personal in einem uns zur Verfügung gestellten Raum im „Dispensaire“ (Krankenstation) in den folgenden Tagen.

    Neben dem SOS-Kinderdorf arbeiteten wir in dem Straßenkinderprojekt „Manda“. Wir teilten dazu unsere Gruppe in zwei Teams auf. Der Zustand der Zähne der Straßenkinder war bedeutend schlechter als der im Kinderdorf und unsere Hilfe dort somit noch dringender.

    Wir behandelten, wie in allen folgenden Projekten, unter sehr einfachen Bedingungen, da das nötige Equipment fehlte: Die Patienten legten sich zur Behandlung auf einen einfachen Tisch. Neben dem Tageslicht verbesserten wir die Sicht mit Hilfe von Stirnlampen. Absaugung, Spuckbecken oder Luftbläser standen uns nicht zur Verfügung. Trotz der bescheidenen Bedingungen merkten wir schnell, dass die Behandlungen auch ohne jeden Komfort durchzuführen waren. Wir mussten aufgrund der schlechten Zustände der Zähne hauptsächlich Extraktionen vornehmen. Wo es ging, erhielten wir die Zähne mit Füllungen. Daneben legten wir großen Wert auf die Prophylaxe. So zeigten wir den Kindern und Erwachsenen während unserer Putzdemos, wie man richtig Zähne putzt. Wir informierten sie über die Wichtigkeit unserer Zähne und über die Entstehung von Karies und verteilten Zahnbürsten und Zahnpasten. Zum Glück hatten wir meist einen hilfsbereiten Dolmetscher an unserer Seite, der vom Englischen oder Französischen ins Madagassische übersetzte. Im Laufe der Zeit erweiterten wir zwar unser madagassisches Vokabular um einige hilfreiche Worte, für ganze Sätze oder Erklärungen reichten unsere Kenntnisse jedoch leider nicht aus.

    Wo wir auch hinkamen, war der Bedarf an zahnmedizinischen Behandlungen riesig. Die Leute liefen viele Kilometer bergauf und –ab, um sich ihre Zähne ziehen oder füllen zulassen. Sie warteten bereits morgens auf uns und gingen abends ohne Murren, auch wenn sie nicht behandelt werden konnten und den ganzen Tag gewartet hatten. Die Madagassen waren einfach nur froh, dass Zahnärzte gekommen waren und hielten die Behandlungen tapfer durch. Es war der Wahnsinn, wie die madagassischen Patienten trotz Schmerzen die Behandlung über sich ergehen ließen. Lediglich einige Kinder hatten Angst vor dem Zahnarzt und weinten vor und während der Behandlung – wer will es ihnen verübeln.

    Über die Nationalstraße RN7 gelangten wir zu unserer zweiten Station in Fianarantsoa, wo wir mit der MISEREOR Partnerorganisation „VoZaMa“ zusammen arbeiteten. Deren Arbeit steht unter dem Motto „Bring die Schule in das Dorf“. Mit uns kam nun der Zahnarzt in das Dorf. Morgens wurden wir mit unserer zahnärztlichen Ausrüstung in ein entlegenes Dorf gefahren, wo wir unsere mobile Zahnarztpraxis meist unter freiem Himmel, da es in den Räumlichkeiten wegen fehlender Elektrizität zu dunkel war, aufbauten. Tische bekamen wir aus den Klassenzimmern. Da es in diesen Gegenden weit und breit keinen Zahnarzt gibt und die Bevölkerung zudem sehr arm ist, nahmen die Menschen oft lange Wege auf sich, um zu uns zu kommen. Ein Fußmarsch von 10 km einfach war keine Seltenheit – und das barfuß! Hauptsächlich kamen Kinder und Frauen, Männer hingegen nur selten. Leider blieb auch hier meist nur die Extraktion als einzige Behandlungsmethode, da es für Füllungen längst zu spät war. Da oftmals kein Zahnarzt verfügbar ist, müssen die Madagassen monate- bzw. jahrelang unter schrecklichen Zahnschmerzen leiden. Umso glücklicher waren wir, einigen davon ihre Leiden zu nehmen.

    Eine abenteuerliche Off-Road-Fahrt sollte uns zu unserem nächsten Projekt in den 5000 Seelen Ort Manantenina an der Ostküste führen. In Madagaskar gibt es nur wenige geteerte Straßen, die zum Teil von Schlaglöchern übersät sind. Die meisten „Straßen“ sind jedoch Lehmbuckelpisten, die während der Regenzeit in wahre Rutschbahnen verwandelt werden. Da wir auf genau solchen unterwegs waren, benötigten wir 13,5 Stunden, um nur 50 km zurückzulegen. Trotz Vierradantrieb blieben unsere Geländewagen immer wieder in einem Matschloch stecken und mussten mühsam ausgegraben werden, wobei unsere Fahrer oft hüfthoch im Wasser standen. Da wir einige Flüsse überqueren mussten und wir die vorhandenen Holzbrücken in einem miserablen Zustand vorfanden, standen einige Reparaturen und ein „Beinahe-Absturz“ auf dem Programm. Nach 3 Tagen Fahrt erreichten wir endlich unser lang ersehntes Ziel: Der vergessene Ort Manantenina. Hier gibt es keine Elektrizität, keine Wasserversorgung und erst seit kurzem haben die Bewohner ein Mobilfunknetz. Um von hier in die nächste größere Stadt zu gelangen, muss man mindestens einen Tag und etwas Geld aufbringen. Es gibt ein kleines Krankenhaus, welches wir besichtigen konnten. Hätten wir nicht gewusst, dass es ein Krankenhaus ist, wir wären nicht von alleine darauf gekommen. Es ist quasi nichts vorhanden, alles ist schmutzig, alt und herunter gekommen. Das Wissen über die schlechte Gesundheitsversorgung der Menschen vor Ort stimmte uns sehr nachdenklich und traurig. Mit der madagassischen NGO „Voa Afafy“ brachten wir nun wenigstens zahnmedizinische Hilfe in dieses Dorf. Insgesamt extrahierten wir hier fast 1000 Zähne und machten etliche Füllungen. Genauso viele Zahnbürsten und Zahnpasten konnten wir an die Kinder dieses Dorfes verteilen. Untergebracht waren wir in einem ehemaligen, unbewohnten Missionarshaus aus der Kolonialzeit und wurden von Angestellten des Krankenhauses täglich köstlich bekocht und umsorgt. Als „Vazaha“ (Fremde, Weiße) waren wir die Attraktion. Oft verfolgten uns ganze Scharen, wenn wir durch den Ort liefen oder wir wurden interessiert begutachtet, während wir uns unterhielten. Doch alle waren sehr offen und freundlich uns gegenüber und lächelten und winkten uns zu. Wenn die Sprachkenntnisse beiderseits es zuließen, konnte man ein paar nette Worte wechseln.

    Im Gegensatz zu Reisen als normaler Tourist hatten wir in Madagaskar viele Kontakte zu Einheimischen und Entwicklungshelfern. Wir konnten daher das Land aus einer anderen Perspektive kennenlernen, als es als Tourist möglich gewesen wäre. Durch diese Kontakte erfuhren wir viel über das Land und das Leben der Menschen. Die Zusammenarbeit in den Projekten war sehr offen und freundschaftlich. Wir sind froh und dankbar, die Bekanntschaft mit bspw. Daniela und Patrick und v.a. mit Luciano gemacht zu haben, mit dem wir einen besonderen Madagassen erleben durften und der in seiner Hilfsbereitschaft und Gastfreundschaft nicht zu übertreffen ist.

    Neben der zahnmedizinischen Tätigkeiten in den Projekten, konnten wir in unserer Freizeit touristische Aktivitäten durchführen. Wir besuchten den Isalo-, Anja-, Ranomafana- und Berenty-Park, welche auf unterschiedliche Weise sehenswert sind und die jeweilige Natur der Region abbilden. Isalo- und Anja-Park sind im Hochland gelegen und durch viele Felsen und wenige Bäume gekennzeichnet. Der Ranomafana-Park liegt auf dem Weg vom Hochland an die Ostküste und ist von Regenwald geprägt. Der Berenty-Park vermittelt die Hitze und Dürre des Südens. In allen Parks sind Lemuren und Chamäleons anzutreffen. An Madagaskars Traumstränden ließen wir es uns nicht nehmen, im Indischen Ozean baden zu gehen und die sommerlichen 30°C bei strahlender Sonne zu genießen. Besonders die Strände in Fort Dauphin und auf der Insel Sainte Marie haben uns verzaubert. Während in Fort Dauphin hohe Wellen zum Surfen einladen, ist Sainte Marie das reinste Bade- und Schnorchelparadies, da es von Riffen umgeben ist und somit kaum Wellen am Strand brechen. Wir waren zwar froh, dass die Naturschätze kaum von Touristen belagert wurden, für die Madagassen wäre jedoch mehr Tourismus gut. Eine größere Anzahl an Touristen würde für mehr dringend benötigte Arbeitsplätze und Einkommen für die Familien sorgen.

    Doch was uns am meisten beeindruckte, war das Beobachten des Lebens und des Alltags der Madagassen, wenn sie „Mofogasy“ (typische madagassische Reismehlküchlein) zubereiten, saftig grüne Avocados auf dem Markt verkaufen, mit ihren Zeburindern das Feld bestellen, Reis oder Manjokblätter stampfen, mit ihren Holzkohlekochern Essen zubereiten, auf kleinen Pirogen fischen oder einfach voller Herzlichkeit lächeln und sich kleiner Dinge erfreuen.

    Rückblickend können wir sagen, dass unsere Famulatur ein voller Erfolg war. Wir haben in Madagaskar so viele zahnmedizinische, aber auch persönliche Erfahrungen sammeln können, wir haben viel gelernt und viel erlebt, wir konnten unseren Blickwinkel und unseren Horizont erweitern und unsere Einstellung und Meinung überdenken und festigen. Wir konnten in den sieben Wochen einen großen Teil des Landes entdecken. Es gibt allerdings noch viele weiße Flecken auf der madagassischen Landkarte und jede Menge zahnmedizinischen Bedarf. Unsere zahnmedizinische Reise 2015 ist nun leider vorbei, doch wir werden wiederkommen – eines Tages!

    Wir sagen ein herzliches MISOTRA (dt. Dankeschön) an alle, die Teil unserer Famulatur waren und hoffentlich VELOMA (dt. auf Wiedersehen), Madagaskar!

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