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Arbeit im „Tswalu Healthcare Centre“

von carlos , 30.03.2011 11:14

„Ich fühle mich dort wie zu Hause“

Behandeln auch in „Tswalu“: Die Zahnärzte Dr. Börsting und Dr. König.
Behandeln auch in „Tswalu“: Die Zahnärzte Dr. Börsting und Dr. König.
(Fotos: Privat)


Von Birgit Jüttemeier

VELEN. Klarer Himmel, orangefarbener Sand, majestätisches Faltengebirge: Das „Tswalu Naturreservat“ in Südafrikas Nordkap-Provinz gilt als beeindruckendes Reiseziel. Dr. Ludwig Föcking (65) kennt dessen Faszination. Der Allgemeinmediziner und Gründer des Velener Ärztehauses weiß aber auch um die Schattenseiten des Schwarzen Kontinents: Die medizinische Versorgung der Bewohner in der Region war unvorstellbar schlecht. Das habe er bei seinem ersten Südafrika-Urlaub 1996 erfahren. Dr. Föcking handelte: Er baute eine Krankenstation auf, das „Tswalu Healthcare Centre“. Inzwischen hat sich das Hilfsprojekt zu einem Gesundheitszentrum entwickelt - und der Arzt fliegt zu Weihnachten wieder hin.



Dr. Ludwig Föcking mit kleiner Patientin im Behandlungsraum der Krankenstation.
Dr. Ludwig Föcking mit kleiner Patientin im Behandlungsraum der Krankenstation.
(Fotos: Privat)


Wie alles begann? Dr. Föcking erinnert sich: „Ganz Schreckliches“ habe er bei seinem ersten Aufenthalt in zwei Krankenhäusern gesehen. Unter anderem zwei kleine Kinder, die nach einer falschen medizinischen Behandlung bei der Mandelentnahme gestorben waren. Das gab den Ausschlag. Nach der Devise: „Okay, ich mach´ das“ initiierte er ungeachtet aller Widrigkeiten den Aufbau einer Krankenstation in der Kalahari-Wüste.

In einer umgebauten alten Polizeistation entstand eine Praxis mit Wartezimmer, Untersuchungsraum, Anmeldung und Apotheke. Die notwendige Ausrüstung - von Verbandsmaterial über Ultraschallgeräte, EKG und Defibrillator bis hin zu Medikamenten - ließ er per Container von Deutschland nach Südafrika verschiffen. 1998 nahm die Station ihren Betrieb auf.

Südafrikanische Krankenschwestern, die im Velener Ärztehaus ausgebildet werden, betreuen die Patienten. Im Zweifelsfall können sie auf die Erfahrung des Allgemeinmediziners zurückgreifen: Per Telemedizin schicken die Schwestern zum Beispiel ein EKG nach Velen - wo Dr. Föcking die Diagnose stellt. Wenige Minuten später liegt das Ergebnis in Tswalu vor - dank moderner Kommunikations-Technologie. Einmal pro Woche kommen zudem ein Arzt und ein Zahnarzt aus der rund 120 Kilometer entfernten Stadt Kimberley in die Station.

60 bis 80 Patienten suchen dort täglich Hilfe. Teilweise nehmen sie lange Wege in Kauf. 100 Kilometer im „Kalahari-Ferrari, dem Eselskarren“, seien keine Seltenheit erzählt Dr. Föcking.

2003 schickte er, unterstützt von Dr. Dr. Rainer Börsting und Dr. Andreas König, einen Zahnarztstuhl samt Instrumenten nach Südafrika. 2009 wurde das „Tswalu Healthcare Centre“ erneuert und vergrößert. Jetzt ist es eingebunden in eine Häusersiedlung, in der rund 500 Arbeiter wohnen. Seit drei Jahren stellt der Staat die Medikamente für das inzwischen staatlich anerkannte Krankenhaus. „Wo wenig ist, ist das bereits viel gegenüber nichts.“

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