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Dental Roots : Im Land der tausend Hügel

von carlos , 13.11.2019 19:24

Zur Vorbereitung eines Hilfseinsatzes im nächsten Jahr reiste Dr. Franz-Josef Ratter aus Deidesheim vom 12. bis 20. Oktober nach Ruanda. Eine Inspektionsreise durch das Land der tausend Hügel.

Das Wetter macht dem Regenwald alle Ehre: Nebelschwaden ziehen sich über den Nationalpark Nyjungwe. Es ist trüb und nass und für ein Land knapp südlich des Äquators mit 16 Grad sehr kühl. Regenzeit in Ruanda, dem Land der 1.000 Hügel. Die gut asphaltierte Straße schlängelt sich bergauf bergab bis auf knapp 2.700 Meter Höhe im äußersten Südwesten des Landes nach Osten in Richtung Butare, dem heutigen Huye.
Alle 200 bis 300 Meter steht ein schwer bewaffneter Soldat

Anfang Oktober hatte es unweit der Grenze zum Kongo acht Tote und 18 Verletzte gegeben. Unser Weg führt uns bis an diese Grenze im Westen und nahe Burundi im Süden. Alle 200 bis 300 Meter steht ein schwer bewaffneter Soldat des ruandischen Militärs, um die Straße zu sichern. Für uns Europäer eine gespenstische Situation.

Mit drei Zahnärzten und einem Unfallchirurgen sind wir für Dental Roots – raçines dentaires, Aktion Zahnwurzel e.V. – unterwegs. Wir wollen unsere Standorte in Ruanda besuchen und dabei einen größeren Arbeitseinsatz mit bis zu zehn Kolleginnen und Kollegen im Frühjahr 2020 vorbereiten. Außerdem sollen neue mögliche Standorte abgeklärt und, wenn möglich, eine Partnerschule für eine Schule in Rheinland-Pfalz gesucht werden. Rheinland-Pfalz unterhält seit 32 Jahren eine Partnerschaft mit dem Staat Ruanda und unterstützt jedes Jahr viele Projekte von Initiativen und Vereinen in diesem Land, auch unsere Projekte werden gefördert. Die Suche nach einer Partnerschule steht dabei noch ganz am Anfang. Zwar gibt es auf ruandischer Seite viele Schulen, die an einer Partnerschaft interessiert sind, aber bislang ist noch keine Entscheidung gefallen.
Zahnarztdichte: Seit 2016 von 17 auf 34

Besucht hatten wir unter anderem das Universitätskrankenhaus (CHUK) in Kigali. Dort haben wir 2014 ein komplettes Behandlungszimmer mit Kompressor, Röntgengerät, Behandlungseinheit, Behandlungsschränken einrichten können. Wir lernten bei dieser Gelegenheit den neuen Leiter der zahnmedizinischen Abteilung, Dr. Achilles, kennen. Er ersetzt seinen Vorgänger, der uns bei unserem Besuch im Frühjahr 2018 begrüßt hatte. Die Fluktuation in den medizinischen Funktionsstellen scheint in Ruanda extrem hoch zu sein, dabei gab es bis vor drei Jahren lediglich 17 akademisch ausgebildete Zahnärzte im ganzen Land. Inzwischen gibt es eine akademische Ausbildung, die auch zu einer international anerkannten Approbation führt, so dass die Zahl auf inzwischen 34 Kollegen gewachsen ist und auch in Zukunft mit einem weiteren Anstieg zu rechnen sein wird.
Frisch ausgepackt: die Phantomkopfausstattung

Nach dem Besuch des CHUK stand der Besuch der Universität Ruanda auf dem Programm. Dr. Crispinus, der Leiter der zahnmedizinischen Abteilung, war stolz, dass er uns die neuen Ausbildungs- und Vorlesungsräume zeigen konnte. Frisch ausgepackt und gerade im Aufbau war die von der Universität Marburg gestiftete und durch das Ehepaar Martin und Kerstin Klingelhöfer vermittelte Phantomkopfausstattung.

Am zweiten Tag stand der Besuch unseres Standortes Ruhengeri – heute Musanze – ganz im Norden an der Grenze zu Uganda gelegen auf dem Programm. Auch hier hatte zwischenzeitlich die Leitung der Klinik gewechselt, sodass vor allem das Kennenlernen im Mittelpunkt der Gespräche stand. Auf dem Rückweg nach Kigali ging es dann circa 60 km über befestigte Pisten durch eine hügelige Landschaft zum Distriktkrankenhaus Ruli, mit dem wir eine enge Partnerschaft pflegen.

Im Mittelpunkt stand hier der Anschluss eines im letzten Jahr mitgebrachten Quattrocare-Geräts an, da es der Klinik nicht gelungen war, einen Druckluftverteiler zu besorgen. Die strahlenden Gesichter, als alles funktionierte, bleiben uns in besonderer Erinnerung.

Der zweite Teil unserer Reise führte uns in den Süden des Landes, konkreter: ins Distriktkrankenhaus Mibilizi, das wir das erste Mal auf dem Programm hatten. Hier beabsichtigt die Diözese Speyer einen Erweiterungsbau für die Mutter-Kind-Abteilung herzustellen. Der Zustand dieser Klinik ist im zahnmedizinischen Bereich – gelinde gesagt – „basic“. Unsere Gespräche mit dem stellvertretenden Direktor und dem Dentalverantwortlichen waren herzlich, aber auch mit hohen Erwartungen ihrerseits verknüpft. Inwieweit wir hier eine Kooperation eingehen können, werden wir erst nach intensiver Analyse entscheiden können.

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